Samstag, 23. März 2013

Line of Bras und was es sonst noch so gibt

Hallo, alle miteinander!
Liebste Grüße aus dem immer noch sonnigen Australien. Es wird mal wieder Zeit für einen neuen Blogeintrag und den vergangenen Tagen habe ich auch wieder etwas sehr interessantes erlebt.

Alles in seiner Reihenfolge:

Okay, ich gebe es zu: Manchmal bin ich einfach nur etwas verpeilt – wie letzte Woche.
Ich habe euch ja schon erzählt, dass ich jetzt regelmäßig im öffentlichen Fitness Centre trainiere (hauptsächlich um meine Zeit zu vertreiben, glaube ich) und mein eigenes Work-out Programm habe. Nach 1,5 Monaten wurde es jetzt allerdings Zeit dieses mal wieder zu verändern. Also habe ich am Mittwoch einen Termin mit meinem neuen Trainer vereinbart – für Freitag Morgen 7 Uhr! In der Retroperspektive muss ich allerdings gestehen, dass das gar keine SO schlechte Idee war. Dadurch, dass ich zeitig aufgestanden bin, habe ich an diesem Tag echt eine Menge schon vor der Arbeit geschafft. Ich war zum Beispiel direkt nach der Stunde gleich noch einkaufen. Oh, und das neue Programm ist zwar total genial, aber als ich es Sonntag dann gleich ausprobiert habe, wäre ich fast gestorben, so anstrengend ist es. Nichtsdestotrotz, Übung macht den Meister! Außerdem tut dieses Work-out meinem kaputten Knie sehr gut, es wird gestärkt und ich habe kaum noch Schmerzen oder Beschwerden bei alltäglichen Dingen.
Und da das alles so gut geklappt hat, bin ich natürlich diese Woche gleich wieder Freitag früh zu einem Work-out gegangen. Resultat: Ich werde immer selbstbewusster und natürlich auch fitter – der Sommer in Deutschland kann kommen!

Haha, es ist unglaublich, aber nun sind schon ¾ meiner Zeit hier in Australien vorbei! Bald schon mache ich mich auf dem Weg zurück nach Dresden und dort wird der Sommer sein, wie hier in Australien der Winter ist, wenn ich gehe. Und das Beste: Ich bin braungebrannt und durchtrainiert – was kann man mehr wollen?!
Da es jetzt schon weniger als 100 Tage sind, habe ich mir ein Maßband zugelegt, an dem ich jeden Tag einen Zentimeter abschneiden darf:


Vergangene Woche hat es endlich (und entgültig) aufgehört zu regnen! Das bedeutet, die Sonne und der blaue, australische Himmel sind wieder zu sehen, die Laune steigt und ich musste die letzten beiden Samstage damit verbringen, die Mädchen beim Netball zu beaufsichtigen. Eigentlich sollte die Saison schon vor einigen Wochen starten, aber da man dieses Spiel draußen spielt und die Plätze ständig nass waren, wurde es immer wieder aufgeschoben.
Netball ist sozusagen die weibliche Variante von Basketball. Es ist ein mehr oder weniger kontaktloser Sport, da man von der Person mit dem Ball mindestens einen Meter Abstand haben muss. Der Schwierigkeitsgrad des Spieles ist jedoch recht hoch, da man, sobald man den Ball in den Händen hält, keinen Schritt machen darf und den Ball nach spätestens 3 Sekunden zum nächsten Spieler gepasst haben muss.
Gestern hatten wir eine Menge Spaß beim Netball, die Mädels haben gewonnen und da ich die Verantwortungsperson war, haben sie mich angebettelt, dass wir auf dem Heimweg bei McDonalds anhalten. Ich bin ja nicht kaltherzig und wir sind hier schließlich in einer Demokratie; mehr oder weniger einstimmig wurde entschieden, dass wir einen 20-minütigen Stopp einlegen.
Es hat sich toll angefühlt, dass alle, auch wenn sie ja nur wenig jünger sind, auf mich gehört und sich ordentlich benommen haben. So macht mir der Job hier wirklich viel Spaß.

Vergangenen Sonntag hatten wir hier im Boarding House eine sehr interessante Aktion: die „Line of Bras“ - Die BH-Leine
Das Ganze kam einer nationalen Organisation für Brustkrebs zu Gute. Die Mädchen der letzten Abschlussklasse haben letztes Jahr begonnen alte/nicht mehr verwendete BHs zu sammeln, um diese aneinander zu reihen. Innerhalb eines Jahres haben sich schätzungsweise 15 000 BHs zu einer Leine von 5 Kilometern angesammelt. Letztes Wochenende wurde ein Teil davon dann auf der Straße des Internats aufgehangen und zog einige Schaulustige an. Auf die Idee sind die Leute heir gekommen, weil eine Schule in Neuseeland vor einiger Zeit eine solche Aktion gestartet hatte. Die 5 Kilometer des Internats wurden einer Frau gespendet, die jetzt versucht mit einer 200 Kilometer-langen Leine den Weltrekord zu brechen.
Das Event wurde mit dem Besuch einer Krankenschwester, die auf Brustkrebspatienten spezialisiert ist, verbunden. Sie hat uns allen erklärt, was Brustkrebs ist, wie er ausgelöst und auch wie er frühzeitig erkannt werden kann. Die Statistiken für Australien sind erschreckend: jeden Tag erfahren 40 Frauen hier, dass sie an Brustkrebs leiden und ein Mädchen aus neun wird in irgendeinem Alter mit der Krankheit konfrontiert werden. Und was noch viel schockierender war: jeden dritten Tag stellt man auch einem Mann die Diagnose Brustkrebs!
Nichtsdestotrotz, mit frühzeitiger Entdeckung sind die Heilungschancen fantastisch. Es ist allerdings ein sehr trauriges Thema. Die Krankenschwester hat uns erzählt, dass ihre jüngste Patientin 15 Jahre alt ist und kaum Hoffnung hat.
Jetzt jedenfalls sind sich alle hier der Gefahren bewusst und kennen die Methoden der Selbstüberprüfung.


Was ich in meinem letzten Eintrag vergessen hatte zu erwähnen, sind all die Fledermäuse, die wegen des schlechten Wetters aus Nord-Queensland und New South Wales nach Warwick gekommen sind. Mal ganz abgesehen davon, dass sie ein wenig gruselig aussehen und die Bäume, auf denen sie zu Hunderten nisten, brechen, tragen sie eine Krankheit in sich. Diese ist vor allem für Tiere sehr gefährlich, kann aber auch schlimmen Schaden am Menschen anrichten.
Anbei seht ihr ein Foto von ihrem allabendlichen Zug gen Süden (sie kommen gegen 5 Uhr morgens wieder).:


Am Donnerstag hatte ich eine Begegnung der besonderen Art: eine kleine Schildkröte ist über das Schulgelände gelaufen. Süßes kleines Kerlen, aber sehr bissig:


So, ihr Lieben, in Australien hat der Herbst zwar offiziell am 1.März begonnen, allerdings kann man davon wettertechnisch nichts spüren: Die Temperaturen sind wunderbar warm (auch nachts noch 25°C!) und die Sonne brennt auf uns herunter. Das heißt für mich, dass ich nach dem Mittagessen wohl eine Runde in den Pool hüpfe.

Ich wünsche allen ein schönes Osterfest! Der nächste Eintrag folgt dann sicher nach meinem Urlaub mit Mama und Willi, die schon in weniger als einer Woche hier sein werden.
Hier noch ein Foto von meinem Peter Rabbit Osterhasen, den mir ein Junge aus der zweiten Klasse am Donnerstag geschenkt hat:


Bis bald! Lauri

Samstag, 23. Februar 2013

Term One

Liebste Grüße an alle vom anderen Ende der Welt!
Heute ist es mal wieder an der Zeit, dass ich mich bei euch melde und einen kleinen Bericht des aktuellen Standes abgebe.

Der erste Term diesen Jahres konnte trotz Fluten pünktlich am 30.01. beginnen, auch wenn einige Schüler erst mit leichter Verspätung nach Warwick kamen.
Im Internat haben wir jetzt 75 Mädels und ich glaube, circa ein Drittel davon sind neue Schülerinnen.
Für mich gibt es seit diesem Term eine Menge mehr an Arbeit, sodass ich unter der Woche so gut wie 12 Stunden pro Tag arbeite. Aufgrund von personellen Einsparungen an Aufsichtspersonen im Internat muss ich jetzt montags bis donnerstags abends mit den jüngeren Mädels (7.-9. Klasse) Hausaufgaben machen, ihre Handys einsammeln und, zu meiner Überraschung und irgendwie auch Freude, Gute-Nacht-Geschichten vorlesen.
Es ist eine nette Beschäftigung am Abend und ich bin nicht ganz so einsam, jetzt da all meine Mitbewohnerinnen nicht mehr in Warwick sind. Natürlich ist es nicht ganz einfach, die Kleinen dazu zu bewegen, ihre Hausaufgaben zu machen, geschweige denn sie ordentlich zu machen. Der einzige Nachteil an der ganzes Sache ist, dass ich jetzt ständig furchtbar müde bin und das halbe Wochenende verschlafe.
Doch die Tatsache, dass eine Schulwoche so sehr schnell vergeht, macht alles andere wett.

Glaubt es oder glaubt es nicht, aber bald bin ich schon wieder auf dem Weg nach Hause! Über zwei Drittel meines Aufenthaltes in Australien sind jetzt schon vorüber und es ist unglaublich, was ich hier alles gesehen, erlebt und gelernt habe. Vor Weihnachten habe ich begonnen eine Liste mit „ersten Malen“ aufzustellen, die hier passiert sind, und es ist wirklich toll, wie weit ich mich doch entwickelt habe, seit ich ans andere Ende der Welt gekommen bin.

Wenn mich jemand fragt, ob ich es bereue, ein Gap Year gemacht zu haben, kann ich ihnen keine klare Ja/Nein-Antwort geben. Würde ich es nochmal machen? - Vielleicht.
Die Sache ist, dass ich Australien sehr genieße und mich glücklich schätze, dieses Abenteuer zu erleben. Auf der anderen Seite aber, fällt es mir sehr schwer so weit von meinen Liebsten entfernt zu sein. Und wenn ich höre, wie andere ihr Auslandsjahr verbringen, werde ich sehr neidisch, da meines hauptsächlich aus Arbeit besteht.
Nichtsdestotrotz will ich mich an dieser Stelle nicht beschweren, denn die Erfahrung der harten Arbeitswelt muss jeder früher oder später machen. So komme ich wenigstens auch nicht aus dem Rhythmus und empfinde Uni dann vielleicht sogar als entspannend.
Die Menschen, die ich hier kennengelernt habe, und die Kinder, mit denen ich arbeite, sind einzigartig und ich werde sie nie vergessen.

Das bringt mich zu einer Geschichte, die ich euch furchtbar gern erzählen möchte:
Auch mein Tagesplan in der Schule hat sich diesen Term verändert. Da es in der Junior School jetzt eine Lehrerassistentin weniger gibt, wurden mir zwei Klassen (1 + 2) zugewiesen, zwischen denen meine Stunden jetzt aufgeteilt werden. In der zweiten Klasse gibt es einen Jungen mit Asperger Syndrom, einer Form von Autismus, bei der Betroffene als äußerst intelligent gelten. Er hat Probleme sich auf seine Arbeit zu konzentrieren, die kleinsten Dingen können ihn zum Ausrasten bewegen und er versteht gewisse soziale Signale und Aussagen nicht.
Als ich ihn vergangenen Juli kennengelernt habe, wollte er kein Wort mit mir reden, nicht davon zu sprechen, sich von mir helfen zu lassen.
Doch nun ist er zu einer meiner Hauptaufgaben in der Schule geworden.
Und mit ihm habe ich den wohl schönsten Moment meiner bisherigen Arbeit in Warwick erlebt:
Durch unsere täglichen Einzelsitzungen über Rechtschreibungstests und Mathe-Aufgaben haben wir eine gewisse Verbindung aufgebaut und als ich die Klasse eines Tages zum Sportunterricht begleitet habe, nahm er meine Hand und wollte nur mit mir Basketball spielen. Zwei Anmerkungen an dieser Stelle: 1.) Meine Rolle beim Sportunterricht ist hauptsächlich, Materialien zu besorgen und die Klasse zu unterhalten, für den Fall, dass die „Kinder mit besonderen Ansprüchen“ eine Art Anfall bekommen. Und 2.) Autistische Kinder mögen Körperkontakt nicht und sind meist recht linkisch. Iggy kann beispielsweise den Basketball nicht richtig prellen. Nichtsdestotrotz hat er mit mir zusammen einige Ballübungen gemacht und nach einer gewissen Zeit sogar Gefallen daran gefunden. Für gewöhnlich streuselt er im Sportunterricht einfach durch die Gegend, ignoriert die Lehrerin und macht sein Ding. Aber jetzt fängt er an, es wenigstens zu versuchen, wenn auch nur mit mir.

Das hat mir bewiesen, dass meine Arbeit hier nicht sinnlos ist, sondern die Kinder davon profitieren, dass wir hier sind. Es hat mich wirklich sehr stolz gemacht und jeder dieser Erfolgsmomente gibt mir ein sehr gutes Gefühl.

Ein Highlight der letzten Wochen war der Valentinstag. In der Schule konnte man Schokoladenkekse in Herzform an seinen Valentin schicken und am Abend habe ich die Senior-Internatsschülerinnen zu einer netten Veranstaltung an der Schule begleitet. Die Seniors im Jungeninternat haben für dich Mädels gesungen und anschließend gab es einen netten (und riesigen) Kuchen. Das war wirklich süß.
Genau ein Jahr zuvor lag ich zum Valentinstag in Österreich im Krankenhaus auf einer Liege mit einigen Bänderrissen. Und dieses Jahr war ich eben am anderen Ende der Welt.
Nächstes Jahr, Drops...

Ansonsten gibt es nicht viel zu erzählen, fürchte ich.
Letztes Wochenende hatte ich eine allergische Reaktion und habe deshalb viel entspannt.
Dieses Wochenende bin ich krank (nur eine Erkältung, keine Sorge) und faulenze deshalb mehr oder weniger rum.
Die Planung für den Urlaub mit Mama und Willi habe ich gestern endlich beendet – alles ist gebucht und zumindest Anzahlungen sind gemacht.
Gestern war ich mit Andrew und Daniel beim Geocaching und wir haben tatsächlich zwei Caches gefunden.

Der Countdown läuft schon fast – 15,5 Wochen und ich bin wieder daheim.

Montag, 28. Januar 2013

Land unter in down under - wir gehen auf der Hauptstraße schwimmen

Es ist schon wieder ein Weilchen her, seit ich meinen letzten Eintrag verfasst habe, also kommt hier mal ein Update über die neuesten Ereignisse und Begebenheiten.

Einige von euch haben sicher in den Nachrichten gesehen, dass in Australien im Moment zur gleichen Zeit verheerende Brände und schreckliche Überflutungen den Alltag erschweren.
Das Ganze begann ungefähr vor 2,5 Wochen, da ich noch in der Mitte vom Nirgendwo als Babysitterin gearbeitet habe, mit riesigen Buschbränden in Ost- und Südaustralien. Viele Menschen haben ihre Habseligkeiten, manche sogar ihr ganzes Leben, verloren. Vor allem Tasmanien, die Insel im Süden Australiens, die von vielen hier als ein eigenes Land angesehen wird, war davon schlimm getroffen. Es hat dort sogar ganze Dörfer und kleinere Städte vernichtet.
Das alles ist darauf zurückzuführen, dass es hier dieses Jahr den heißesten (und trockensten) Sommer seit langem und an manchen Orten sogar seit Beginn der Wetteranalyse gibt.


Doch so verrückt und paradox es auch klingen mag, stecken wir jetzt mannshoch in Wassermassen, nachdem es knapp 4 Tage am Stück geregnet hat.

Australien ist das Land der extremsten Wettererscheinungen, so wirkt es auf mich.
Da der Boden so trocken ist, kann es die Wassermassen nicht aufnehmen, wenn sie ganz plötzlich kommen, und so werden aus kleinen Bächen reißende Ströme.
An der Küste gibt es einige Städte, die teilweise evakuiert werden mussten. Drei Menschen haben bis jetzt ihr Leben in den Fluten verloren.
Auch hier in Warwick kam es zu schweren Überflutungen – so schlimm, dass wir komplett von den umgebenden Städten abgeschnitten sind und ich gestern nicht zur Arbeit gehen konnte, da die Schule auf der anderen Seite des Flusses liegt.
Bereits vor zwei Jahren hat man hier eine Flut mit dem gleichen Ausmaß erlebt und die selben Geschäfte und Familien sind betroffen.

Es tut mir sehr leid für die Menschen, die Teile ihrer Existenz in den Fluten verloren haben.
Ich erinnere mich noch zu gut an die Fluten in Dresden 2002, die seltsamerweise genau zur gleichen Zeit im Jahr stattgefunden haben, mit dem kleinen Unterschied, dass es sich dabei um Schmelzwasser handelte und hier in Australien gerade Sommer ist.

Der Grund, warum ich mich entschieden habe, gerade heute zu schreiben, ist, dass nach den 4 Tagen Regenwetter heute zum ersten Mal die Sonne wieder in voller Bracht scheint und ich deshalb extrem gute Laune habe und total optimistisch gestimmt bin.

Für mich sind es jetzt noch ziemlich genau 19 Wochen hier in Australien und es gibt mit Sicherheit noch einiges zu entdecken.

Vor ein paar Wochen hat mich die freudige Nachricht erreicht, dass ich doch tatsächlich noch einmal Besuch von Deutschland bekomme – meine Mami und ihr Freund, Willi, nehmen die große Herausforderung auf sich (extra für mich) für einen Tag einmal um die halbe Welt in einem Flugzeug zu reisen.
Die Neuigkeiten haben mich total umgehauen und so habe ich mich sofort an die Arbeit gemacht, einen schönen Urlaub für uns zu planen. Ihr Besuch wird zu Ostern sein, wenn ich hier noch einmal Ferien habe. Und danach sind es nicht einmal mehr 9 Wochen, bis ich wieder heim fahre.

Wie ihr euch sicher schon gedacht habt, bin ich jetzt wieder in Warwick. Letzten Freitag haben mich mein „Boss“ und mein „Job“ zum Bus in Inglewood gebracht und ich stand dort mit einem lächelnden und einem weinenden Auge. Zum einen war ich froh, dass ich wieder in meine kleine Wohnung im Boarding House zurückkehren durfte, und zum anderen war es traurig, den kleinen nicht mehr um mich zu haben, denn es war (vor allem in der letzten Woche) schrecklich süß.
Als seine Mama sich bei mir für meine Arbeit bedankt hat, meinte er dann auch „Thank you, Laura!“ und hat mir einen Kuss gegeben.

Ja, ich gebe zu, ich lasse mich auch von anderen Männern küssen, aber die sind jünger als 4 Jahre und haben keine romantischen Gedanken – die sind einem ganz bestimmten Mann vorbehalten...

Seit dem ich wieder in Warwick bin, habe ich zugegebenermaßen nicht all zu viel gemacht:
Ich habe stundenlang mit meiner lieben Lisi in Seoul geskypt, da sie jetzt nur noch eine Stunde hinter mir ist und wir uns schon ewig nicht mehr gehört haben.
Meine Spanischkenntnisse bedurften einer Auffrischung und da es ja draußen sowieso geregnet hat, habe ich fleißig gelernt.
Und hier kommt der Hammer: Ich bin jetzt ein aktives Mitglied im örtlichen Fitness-Centre. Ja, ich weiß, das klingt voll komisch und untypisch, aber es macht mir super viel Spaß und es ist ein toller Zeitvertreib. Mal sehen, vielleicht schaffe ich es ja, in den nächsten 4,5Monaten so fit zu werden, dass ich dann offiziell als sportlich bezeichnet werden kann.

Morgen beginnt offiziell das neue Schuljahr und heute sind schon einige der Mädchen wieder ins Internat eingezogen, sodass ich jetzt zum Essen in die Mensa gehen werde.
Es tut mir leid, dass dieser Eintrag relativ kurz ist, aber es gibt gar nicht so viel zu erzählen.
Ich freue mich schon sehr darauf, wieder arbeiten zu gehen, denn so vergeht die Zeit schneller und spannende Dinge können passieren.

Liebe Grüße an euch alle, wo auch immer ihr gerade alle seid!

Freitag, 11. Januar 2013

Merry Christmas and a Happy New Year ;)

Seit meinem letzten Eintrag vor drei Wochen sind wieder eine Menge Dinge passiert und ich habe die wohl schönste Zeit meines Aufenthalts in Australien gehabt.



Am 21. Dezember saß ich zusammen mit den Leuten, für die ich Babysitte, beim Abendessen, als ein furchtbares Unwetter begann. Das Haus stand unter Wasser und ein riesiger Blitz schlug ins Stromhaus ein, sodass wir bei Kerzenlicht Dessert gegessen haben. Das Problem an dem Ganzen ist, dass ich ja am nächsten Morgen zurück nach Warwick fahren wollte und wie sich am Morgen herausstellte, das Wasser die Straßen geflutet hatte.
Zum Glück besitzt die Familie ja zwei große All-Rad-Autos, sodass wir uns bis in die Stadt durchschlagen konnten. Den Rest des Tages habe ich dann damit verbracht aufgeregt zu sein, einkaufen zu gehen und meine Wohnung aufzuräumen. Der Grund? Mein Schatz ist extra wegen mir einmal um die halbe Welt geflogen, damit wir zusammen Weihnachten und Neujahr feiern konnten.

Das Wiedersehen am Flughafen war einfach nur wunderschön, wenn wir uns auch fast nicht gefunden hätten. Mama fragte mich an diesem Morgen, wann Lukas denn aus Canberra ankommt, und ich verstand kein Wort, ich ging davon aus, er kommt aus Singapur. Wie sich letztlich aber herausstellte kam er aus Melbourne und im selben Moment, da ich das Auto geparkt habe, ist der Flieger gelandet. Auch nach 5,5 Monaten hat sich zwischen uns beiden nichts verändert und ich habe das Gefühl, ich liebe ihn von Tag zu Tag mehr.

Gemeinsam haben wir also ein paar Tage in Warwick verbracht, haben den Pool im Internat genutzt, waren spazieren und zusammen im Kino (Der Hobbit ist wirklich nicht schlecht, aber jetzt dauert es ja wieder so lange, bis der nächste Teil erscheint.). Wir sind zwar nun schon fast 16 Monate zusammen, waren aber erst hier in Australien zum ersten Mal romantisch (und teuer) essen und das war einfach nur schön.

Weihnachten haben wir gemeinsam mit Christoph und Andrew bei einer Arbeitskollegin in Woodenbong (New South Wales) verbracht. Ihre drei Töchter sind im Moment in Großbrittanien, also hat sie all die Leute aus Europa zu sich eingeladen.
Da Lukas Gepäck auf dem Weg von Melbourne verspätet war und wir noch auf die Lieferung warten mussten, haben wir zwar den Gang zur Dorfkirche verpasst, aber im Anschluss haben wir einen sehr lustigen Heiligabend bei einem echt australischen Barbeque verbracht.

Am nächsten Morgen, Christmas Day, sind wir alle ganz gemütlich aufgestanden, haben uns gemeinsam um den Weihnachtsbaum gesetzt und stundenlang unterhalten. Und das Ganze bei 28°C Außentemperatur und mit Bier und Cider. Für das Mittagessen, welches den Höhepunkt der englischen Weihnacht darzustellen scheint, haben wir uns alle ein wenig rausgeputzt (okay, ich gestehe, ich habe mir extra dafür ein neues – rotes – Kleidchen gekauft.).
Christine hat sich unglaublich viel Mühe gegeben mit dem Menü für dieses Essen: Roast Beef, Lamm, Kürbis, süße und normale Kartoffeln, türkisches Brot und dann auch noch selbstgemachter Christmas pudding. Ich bin fast geplatzt! Aber so fühlt man sich ja meistens zu Weihnachten, auch zu Hause.
Nach dem Essen durften dann alle ihr Geschenke auspacken und ich habe mich sehr über all die schönen Dinge gefreut, die mir Lukas von all den lieben Menschen zu Hause mitgebracht hat.
Tja, und das war dann das erste Weihnachten, dass ich von Dresden weg verbracht habe.

Nach zwei Tagen Entspannung in Warwick sind wir dann am 28. Dezember zusammen mit Andrew morgens Richtung Sydney aufgebrochen. Am ersten Tag führte die Strecke über die Gold Coast nach Byron Bay, wo wir einen kurzen Strandausflug unternommen haben. Der Leuchtturm in Byron Bay steht auf dem nach Definition östlichsten Punkt auf dem Festland und ansonsten ist der Strand dort sehr bekannt, weil er a) sehr schön ist und b) viele Haie vorbeikommen. Als wir uns gerade wieder auf den Weg zu unserem nächsten Ziel machen wollten, wurde die Gegend von einem Unwetter heimgesucht und da unsere Scheibenwischer nicht funktioniert haben, steckten wir eine Weile fest. Zum Glück konnten wir einen Mechaniker finden, der das Ganze provisorisch repariert hat und so haben wir es sicher nach Grafton geschafft. Das Motel, das wir für die Nacht gebucht hatten, war eigentlich ganz niedlich, aber den Rezeptionisten haben wir „Fat Toni“ getauft, nachdem er uns so unfreundlich begrüßt hat. Abends sind wir mit einem kostenlosen Shuttle-Service zum örtlichen Pub zum Abendessen und Entspannen gefahren.

Schon früh am nächsten Morgen haben wir ausgecheckt und ich durfte die Etappe fahren. Einen kurzen Stopp haben wir in Coff´s Habour gemacht, wo es eine riesige Banane zu besichtigen gibt. Am Tag davor haben wir auf unserem Weg schon den riesigen Shrimp gesehen, da durften wir uns diese Attraktion nicht entgehen lassen, oder?
Nächstes Ziel war dann Port Maquarie, von wo aus Andrew wieder übernommen hat. Dieser Ort ist eigentlich nur deshalb interessant, weil er ganz viele verschiedene Strände hat. Mehr wäre mir jetzt nicht aufgefallen. Und dann führte uns unser Weg einfach nur noch nach Sydney.

Andrew haben wir bei einem Familien-Freund abgegeben und dann sind Lukas und ich noch eine Stunde quer durch den Stadtverkehr zu unserem abseits gelegenen Hotel gefahren. Und diese Fahrt hat sich wirklich gelohnt. Die Gegend, in der das Hotel steht, ist sehr angenehm ruhig und unser Zimmer war einfach nur großartig. Zum Abendessen hatten wir mal etwas Exotisches – Thai und Malaysische Küche. Und wie sich herausgestellt hat, lohnt es sich manchmal, anderes zu probieren.
Den ganzen nächsten Tag haben wir damit verbracht, Sydney und seine Sehenswürdigkeiten zu begutachten.

Mir gefällt Sydney als Stadt sehr gut, für Touristen ist da aber nicht viel zu holen, oder ich bin einfach durch das schöne Europa zu verwöhnt. Wir haben den Hafen erkundet, das Opera House gesehen und sind über die Habour Bridge gelaufen. Auch durch den wohl am längsten besiedelten Teil Australiens sind wir spaziert: The Rocks war angeblich der Ort, an dem die ersten Europäischen Siedler gelandet sind. Durchaus nachvollziehbar, da es direkt im Sydney Habour gelegen ist.

Glaubt mir, noch vor 14 Monaten hätte ich nie gedacht, dass ich Silvester 2012 in Sydney verbringen würde! Mal ganz ehrlich, viele träumen davon, das riesige Feuerwerk einmal in Live zu sehen, schließlich können wir es ja in unseren Nachrichten als sozusagen erste Neujahrsfeier verfolgen.
Den Vormittag haben wir noch gemütlich damit verbracht, uns den Zoo in Sydney anzuschauen, denn Lukas musste ja unbedingt noch alle australischen Wildtiere sehen. Schon den ganzen Tag über haben Leute hektisch versucht, sich super Plätze für die große Show am Abend zu sichern.
Wir hatten da eine Menge Glück:
Freunde aus Andrew´s Schule in Irland arbeiten in einer High School, die direkt neben der Habour Bridge ist. Jedes Jahr wird auf dem Dach dieser Schule eine kleine, private Party veranstaltet und wir hatten das große Glück, dass wir Karten (je $60) geschenkt bekommen haben.
Somit waren uns Erste-Reihe-Plätze für den Start ins Neue Jahr gesichert und ich sage euch, es war großartig. Anscheinend hat die gesamte Pyrotechnik $5,2 Millionen gekostet.

Nach dem Anstoßen, Umarmen, Beglückwünschen und Fotoshootings haben wir uns dann durch die Menschenmassen zur Zughaltestelle und bis ins Hotel durchgekämpft. Das war dann Silvester 2012.
Am nächsten Morgen habe ich Lukas dann zum Flughafen begleitet und schweren Herzens wieder nach Hause geschickt. Der einzige Trost: Jetzt ist die Hälfte meines Aufenthalts in Australien schon rum und dann sehen wir uns wieder.
Um mich ein wenig abzulenken, haben Andrew, sein Freund und ich abends noch einen Spaziergang zu den schönen Stränden an Sydneys Küstenstreifen gemacht. Auch dort werden sehr häufig Haie gesichtet. Schon am 2.Januar sind wir dann wieder nach Warwick aufgebrochen, jeder eine 5,5 Stunden Strecke gefahren und abends erschöpft ins Bett gefallen.

Doch es blieb keine Zeit zum Ausruhen, denn jetzt bin ich wieder bei der Familie mit den drei Kindern um noch ein wenig Geld zu verdienen. Und es hat sich so ergeben, dass Andrew hier einen Job als Farm-Hand bekommen hat. Für morgen steht Branding auf dem Plan – den kleinen Kälbern wird die Markierung der Farm eingebrannt – und das ist eine riesige Aufgabe, bei der er aushelfen kann.





So, genug für heute! Ich sende ganz liebe Grüße und tausende Küsschen an euch alle und mache mich jetzt auf ins Bettchen...

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Hohoho, Babygeschrei und was ich sonst noch so mache

Wow, es ist einfach unglaublich, wie viel Zeit seit meinem letzten Eintrag schon wieder vergangen ist und wie viele neue Sachen ich euch zu erzählen habe.

  1. Vor drei Wochen habe ich entschieden, dass ich einfach mal eine Veränderung möchte – also habe ich einen Termin beim Friseur gemacht und mir die Haare (mehr oder weniger) radikal abschneiden lassen. Am Anfang war ich ein wenig skeptisch und unsicher, denn eigentlich wollte ich sie mindestens Schulter-lang lassen, aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und ganz ehrlich: Haare wachsen ja auch wieder.
    Etwas bringt die neue Frisur aber mit sich – ich musste mir ein Glätteisen zulegen und plane jetzt extra 10 Minuten Styling ein (und das obwohl ich so schrecklich faul bin, wenn es um Styling geht!).
  2. Eine Woche später habe ich mir eine äußerst nervige Erkältung zugelegt.
    Das Problem ist, dass ich die Klimaanlagen einfach nicht vertrage und wenn ich aller 5 Minuten aus einer Eiskammer (anders kann man diese Klassenzimmer einfach nicht beschreiben) komme und in die Hitze Australiens trete, musste das ja irgendwann böse enden. Das Ende der Geschichte war ein Besuch im Krankenhaus, da sich meine Erkältung zu einer Mittelohrentzündung entwickelt hat.
    Am ersten Tag der sogenannten Lehrerwoche habe ich Schmerzen im Ohr bekommen und wurde von meiner Chefin ins Krankenhaus geschickt. Zur Erklärung: Es ist für einen Ausländer einfach in eine Notaufnahme zu gehen, als verkrampft einen Termin bei einem Hausrzt zu ergattern. Leider lassen sich die australischen Ärzte auch gut bezahlen – die Rechnung im Krankenhaus belief sich auf $285 und das waren dann auch nur 5 Minuten im Behandlungsraum.
    Der Arzt selber war ein sehr netter Mann, allerdings empfand ich es als etwas seltsam, dass er mich gefragt hat, welche Behandlung ich gerne hätte – ist er nicht der Arzt? Das Zimmer wirkte auch eher wie ein Büro, aber im Endeffekt habe ich einfach nach einem Rezept für ein Antibiotika gefragt, da mir schon klar war, dass ich sicherlich eine Mittelohrentzündung habe, bevor er es mit bestätigt hat.
    Meine Mama hat mich ein wenig später gefragt, welches Antibiotika ich denn bekommen habe, und festgestellt, dass ich darauf früher einmal allergisch reagiert habe – Glück gehabt, dass es dieses Mal nicht passiert ist, sollte man da sagen.
    Seiner Aussage nach bestünde keine Gefahr, dass mein Trommelfell platzen würde, auch wenn es gewölbt und gerötet war – leider hat sich das als falsch herausgestellt, denn schon ein paar Stunden später, in Verbindung mit reichlich Schmerz, lief die Entzündung aus und seit dem kann ich auf dem rechten Ohr nur recht schwer hören.
  3. Ich habe Santa gesehen! Bereits Ende November kam er ins Shopping-Center nach Warwick und alle haben nette Weihnachtslieder gesungen. Nichtsdestotrotz ist es total verrückt, dass ich Shorts und Top anhabe, draußen ca. 30°C herrschen und wir 19Uhr noch einmal fix in den Pool hüpfen. Weihnachtliche Stimmung kommt bei mir im Moment definitiv nicht so auf, wie sie es zu Hause tut, aber Geschenke-besorgen macht genauso viel Spaß wie immer.
    In der letzten Schulwoche haben wir in der Junior School eine sogenannte Christmas Carols Night veranstaltet. Alle Schüler inklusive Eltern und Picknick-Korb haben sich am Abend nochmal in der Schule versammelt und alle haben gemeinsam gesungen.
    Eines der Lieder hat mein Bild von Weihnachten komplett zerstört: die australische Version von “Jingle Bells”. Hört es euch auf Youtube an und ihr versteht sicherlich genau, was ich meine. Ein anderes wiederum fand ich sehr süß - “Santa Koala” - vor allem für die Kleinen einfach nur goldig.
    An diesem Abend haben Andrew und ich jeweils eine riesig-große Weihnachtstüte voller Schokolade, Kekse und kleiner Geschenke bekommen, was super-lieb von allen Eltern extra für uns gesammelt wurde. Und vor einer Woche hat mich ein Päckchen von meiner lieben Lisi erreicht, welchen nicht nur einen furchtbar süßen Brief, sondern auch mehrere Adventskalenderchen enthalten hat. Das hat sich dann schon sehr weihnachtlich angefühlt, muss ich sagen...
  4. Eva ist weg. Und nun habe ich gar keine Mitbewohnerin mehr.
    An dieser Stelle muss ich auf jeden Fall erklären, wie froh und dankbar ich war, sie hier zu haben. In den letzten Wochen haben wir so viele Dinge zusammen gemacht und erlebt und es war einfach nur sehr lustig und spannend. Es war gut, jemanden zum Reden zu haben und sie hat mir auch sehr viel geholfen – vor allem als ich krank war und es mir schlecht ging, weil ich Heimweh bzw. Sehnsucht hatte. Ich hoffe, dass es ihr gut geht und dass sie noch eine schöne Reise um die halbe Welt hat. Im Moment ist sie in Neuseeland, wo gerade erst letzte Woche nicht nur ein Tornado gewütet hat, sondern zu allem Übel auch noch ein relativ starkes Erdbeben zu fühlen war. Wir haben uns schon ausgemacht, uns nächsten Sommer dann wieder zu Hause zu treffen, Fotos zu teilen und eine Runde Backgammon zu spielen.
  5. In Australien hat nun offiziell der Sommer begonnen und damit auch die großen Ferien. Da ich mich von meinem schmalen Gehalt nicht 8 Wochen lang ernähren könnte, habe ich mir dafür einen Job besorgt. Das Problem was sich uns Gappies gestellt hat, war unser Visa. Offiziell ist es uns nicht erlaubt für irgendjemanden in hier zu arbeiten außer der Schule. Mein Job muss also unversteuert bezahlt werden, weshalb ich mich nicht als Kellnerin oder ähnliches bewerben konnte. Eines Nachmittags kam mir dann die großartige Idee, eine Anzeige ins Internet zu stellen, ob jemanden einen Babysitter über die Ferien gebrauchen könnte und innerhalb von zwei Stunden hatte ich bereits eine Interessentin.
    Sie wirkte von Anfang an sehr sympathisch, also habe ich den Job angenommen und lebe nun schon seit ein paar Tagen auf einer Farm mitten im Nichts, ohne Handyempfang und umgeben von Kühen, Kängurus, Emus und Schlangen. Okay, das klingt jetzt bestimmt total abschreckend und seltsam, aber es ist wirklich schön hier.
    Die Familie besteht aus Mann und Frau mit jeweils einem Unternehmen (er Truck-Fahrer, sie Maklerin), einem 9-Jährigen, einem 2-Jährigen (mein eigentlicher Job) und einem 3-Monate-altem Baby. Die Arbeit klingt vielleicht nicht anstrengend, aber am Ende des Tages bin ich doch sehr müde und muss auch schon sehr früh wieder aufstehen: Kids anziehen, Essen machen, Windeln wechseln (Verrückt, ich hätte nie erwartet, dass ich das in Australien lernen würde!), Elih zum Bus fahren (Die Schule ist noch weiter weg und hat gerade mal 16 Schüler/innen!), Baby schaukeln und mit dem Kleinen spielen.
    Vor zwei Tagen waren wir in Goondiwindi (, der nächstgelegenen Stadt, die dennoch 45 Minuten entfernt liegt!), wo Toni arbeiten musste. Der kleine Murdoch war in der Krabbelgruppe und ich habe Baby Quincy 2 Stunden durch die Stadt geschaukelt. Alle Leute haben mich angeschaut, als sei ich eine dieser Teenie-Mütter, was mich doch sehr amüsiert hat.
    Meine Mama meinte immer, dass Babys so gut riechen und sie hat total recht! Und wenn sie dich anlächeln, ist das einfach nur das Schönste auf der Welt.
    Oh, und noch etwas total Cooles zu diesem Job: Ich darf zwei riesengroße Autos fahren! Das eine ist ein original australischer Ute – etwas, das wir wahrscheinlich als halben Truck bezeichnen würden. Heute morgen hätte ich damit fast zwei Kängurus überfahren und gestern bin ich auf meinem Weg zum Bus einem Rudel Emus, einem Rudel Roos und einer Schlange begegnet. Ich bin im Outback angekommen.

Nun bin ich noch knapp 1,5 Wochen hier in der Mitte vom Nichts, bevor ich dann meinen Schatz vom Flughafen abholen fahren und endlich Weihnachten ist – Halbzeit für mich hier in Australien.
Bisher bereue ich es nicht, hierher gekommen zu seien, auch wenn ich die meiste Zeit sehr große Sehnsucht nach Zuhause habe.

Der nächste Eintrag kommt sicherlich erst nach Neujahr, deshalb wünsche ich euch allen an dieser Stelle schon: Fröhliche Weihnachten – Merry Christmas – Feliz Navidad und einen guten Rutsch ins neue Jahr! – Happy New Year! – Feliz Año nuevo!

Sonntag, 18. November 2012

Latest news und was ich noch so in Australien mache

Hallo meine Lieben, da hier gerade ein furchtbarer Sturm losgebrochen ist und ich sonst auch nichts zu tun habe, dachte ich mir, erzähle ich mal, was in Down under in den letzten 14 Tagen Spannendes passiert ist.

Gleich am Tag, nachdem mein Brüderchen wieder heim geflogen ist, haben mich meine Gappy- Kollegen in Auto geladen und gemeinsam sind wir eine Kollegin aus der Junior School besuchen gefahren. Auf dem Weg dorthin haben wir noch an den sogenannten “Queen Mary Falls” gestoppt – einem schönen Wasserfall mit kleinem Spaziergang.
Es war sehr entspannend und hat mich etwas abgelenkt. Außerdem war es gut, dass wir vier mal wieder etwas zusammen unternommen haben.
Unsere Kollegin wohnt in New South Wales, dem südlichen Nachbarstaat Queenslands, circa eine Autostunde von Warwick entfernt. Den Weg dorthin glaubte ich allerdings nicht zu überleben, denn Andrew ist auf diesen winzigen, kurvigen Straßen gefahren, als wäre eine Armee hinter ihm her! Um ehrlich zu sein, habe ich kurzzeitig um mein Leben gebangt.
Das Häuschen, bei dem wir letztlich ankamen, liegt in der Mitte von Nirgendwo, ist umringt von kleinen Hügeln und vielen Kühen. Noch am selben Tag haben wir gelernt, wie man eine Peitsche schwingt und durften alle einmal reiten (Ich sogar zweimal!).
Bisher hatte ich noch nie das Vergnügen, allein zu reiten, aber es hat mir sehr viel Spaß gemacht und der Besitzer meinte anschließend zu mir, dass ich es sogar sehr gut gemacht habe.

Die Landschaft in New South Wales ist wunderschön – alles ist sehr grün und hügelig. Irgendwie hat es mich ein wenig an zu Hause erinnert. Bevor wir zurück nach Warwick sind, hat der Ehemann unserer Kollegin noch eine kleine Rundtour durch das Areal mit uns gemacht und einige Stellen zum Wandern gezeigt.
Für Weihnachten werde ich auch wieder dort sein, da ihre drei großen Mädchen gerade in Europa sind, haben sich Christine und Andrew die Jugendlichen asus Europa nach Hause eingeladen.

Das bringt mich auch schon zum nächsten Thema: Weihnachten in Australien.
Lieber Himmel, ich sage euch, es sind zwar nur noch 37 Tage bis Heiligabend, aber ich kann es mir im Moment überhaupt nicht vorstellen.
Für die Schüler der ersten und zweiten Klasse habe ich am Donnerstag einen Vortrag über Deutschland und unsere Weihnachtstraditionen gehalten – mit kleinen Stollen und einem Räuchermann und Bildern vom Strietzelmarkt mit Schnee. Die Kleinen und ich haben es sehr genossen, sie haben viele Fragen gestellt und hingen an meinen Lippen. Als ich dann fertig war und aus dem Klassenzimmer kam, traf mich allerdings eine Hitzefront – 36°C und reinster Sonnenschein. Wie zum Teufel soll ich denn so in Weihnachtsstimmung kommen?!

Na ja, wir basteln im Moment auch Weihnachtsschmuck in der Junior School und mit Hilfe einiger kleiner Vorschüler habe ich einen Weihnachtsmann zum Aufhängen gebastelt – meine Weihnachtsdeko für die Wohnung. Meine Mitbewohnerin Eva und ich sind diese Woche auch in die Stadt gegangen auf der Suche nach weihnachtlicher Dekoration. Letztlich haben wir eine schöne Tischdecke, ein Rentier-Türschild, einen Schlitten-förmigen Serviettenhalter und eine tolle Lichterkette gekauft. Auch Materialien zum Basteln eines Adventskranzes haben wir schon besorgt. Was genau wir dann als Reisig verwenden, wissen wir zwar noch nicht, aber notfalls begnügen wir uns auch mit Palmzweigen oder ähnlichem ;-)

Als wir letztes Wochenende auf Grund von schlechtem Wetter zum Shoppen nach Toowoomba gefahren sind, haben wir unsere erste australischen Weihnachtsdekoration gesehen. Mitten im Shopping-Center steht ein riesiger, geschmückter Baum und daneben zwei Lebkuchen-Figuren und ein Stuhl für Santa Clause. Vorher war mir noch gar nicht so richtig bewusst, dass jetzt die Zeit des Geschenkekaufens begonnen hat. Deshalb sind Eva und ich auch gleich in einen Laden gegangen, in dem man nette Verpackungen kaufen kann...Und ich habe mir Regen-feste und sehr schicke Schuhe besorgt, da hier jetzt offiziell die Sturm und Unwetter-Zeit begonnen hat.

Gegen unsere Langweile am Abend haben Eva und ich uns jetzt eine Spiele-Box zugelegt, in der man angeblich mehr als 100 Spiele finden kann – bisher haben wir vier davon gespielt.
Wir laden uns Christoph meistens noch dazu ein und dann bricht in unserer Wohnung eine Spielhölle los, kann ich euch sagen. Gerade erst gestern haben wir uns an Backgammon versucht, was sich als ein sehr interessantes Spiel erwiesen hat. Zusammen mit einer Flasche Ginger Beer (eine Limonade aus Ingwer) oder Weißwein (den hatten wir uns nach der stressigen letzten Zeit gestern echt verdient) ergibt das einen schönen und beruhigenden Abend, bei dem wir dann auch in sehr tiefsinnige und ernste Gespräche kommen.
Wenn uns mal nicht nach Spielen ist, schauen wir einfach eine Folge „Bones“. Die DVDs hat mir Christine gegeben, weil ich ihr erzählt habe, wie gern ich diese Serie schaue (vor allem mit meiner Mami).

Diese Woche hatten Eva und ich aber mal etwas Besonderes geplant. Wie einige von euch vielleicht wissen, war diese am Donnerstag der offizielle Kino-Start des letzten „Twilight“ Filmes in allen Englischsprachigen Ländern und sogar in Warwick konnte man den Film schon dann anschauen – also sind wir gleich ins Kino gegangen und haben ihn gesehen.
Seit dem Trip nach Canberra bin ich ja sehr gut mit einem der örtlichen Busfahrer befreundet, der mich freundlicherweise in einem großen Bus für mich allein bis vors Kino gefahren hat, nachdem er gerade ein paar der Mädchen ins Internat zurück gebracht hatte.
Da Eva vorher noch einen anderen Termin hatte, sind wir etwas später in die Vorstellung gekommen und ein Platzanweiser hat uns zwei freie Sitze gezeigt. Als wir uns nun also durch die sehr engen Sitzreihen gedrückt haben, um ans andere Ende zu gelangen, bin ich an den Beinen einer Frau hängen geblieben - und direkt auf dem Schoß ihres Mannes gelandet. Gott, war das peinlich, vor allem da alle gerade gespannt auf die Liebesszene auf der Leinwand gestarrt haben, bis ich anfing zu quietschen und der Mann und seine Frau zu lachen.
Nichtsdestotrotz war der Film sehr gut – am Anfang etwas komisch gemacht, zum Ende hin aber sehr schön und wie immer mit guter Musikauswahl.

Vergangenen Sonntag war ich zusammen mit Daniel, Eva und Christoph beim Bushwalking. Als mein Handy 7Uhr morgens zu klingeln anfing, dachte ich schon, ich bin im falschen Film, aber wir wollten besonders früh los, um die morgendliche Ruhe beim Wandern zu genießen. Den Berg, den wir erklommen haben, heißt Mount Mitchell und gehört zur Gap, der Bergkette, die Warwick von Brisbane trennt. Die Strecke war 10,2km lang und für den Anfang gut gewählt. Es hat 3,5 Stunden gedauert, rauf und runter zu klettern – keine schlechte Zeit. Was mir allerdings etwas Sorgen bereitet hat, war, dass mich schon auf dem Hinweg ein Blutegel gebissen hat und um ehrlich zu sein, ich stehe nicht wirklich auf Krabbeltiere auf mir. Als uns dann auf dem Rückweg auch noch eine kleine Schlange und ein Leguan begegnet sind, war ich froh, als wir endlich wieder am Auto waren.

Wenn ich euch nun schon einmal etwas über die Schlangen hier erzähle, passt die nächste Geschichte nun ganz gut:
Als ich vor zwei Wochen in Richtung Junior School gelaufen bin, begegnete ich einer Kollegin, die ganz gebannt in die Büsche gestarrt hat. Als ich gerade zu einem „Hello Penny!“ angehoben habe, brachte sie mich zum Schweigen und meinte nur: „There is a red-belly black in the bushes!“. Von dieser Worten konnte ich mir zwei Dinge erschließen: 1.) Da ist eine Schlange im Busch und 2.) Ich sollte das mal melden gehen. Trotz der Gefahr, die von so einer Schlange ausgehen kann, war ich einfach nur furchtbar neugierig und wollte sie gern sehen. Das Ende des Liedes war aber, dass die Schlange sich verkrochen hat, sobald die Schlangenfänger da waren und man sie an diesem Tag einfach nicht mehr zu Gesicht bekommen hat.
Die red-belly black ist eine giftige Schlange, die vor Menschen davonläuft und die noch viel giftigere brown snake tötet. Diese wiederum jagt Menschen hinterher, sobald sie die Vibrationen unserer Schritte wahrnimmt. Fazit: Lass die red-belly leben, damit sie die brown snake tötet.
Nichtsdestotrotz wurde die red-belly black snake vergangene Woche nochmals gesichtet und letztlich mit einem Hammer brutal von meinen männlichen Gappy-Kollegen erschlagen, nachdem die Ehefrau meines Chefs schon einige Male mit ihrem riesigen Jeep darüber gefahren ist.

Andrew, der Ire in unserer Runde, hat an diesem Tag schon ein geflohenes Pferd 5km um die Schule gejagt. Als wir gerade unsere Mittagspause hatten und gelangweilt im Office einen Ball über den Tisch gerollt haben, galoppierte es plötzlich vorm Fenster entlang, gefolgt vom Chef. Ein Anblick, der mich doch aufmerksam gemacht hatte und Andrew schaltete so schnell, dass er seinen Keks zur Seite warf und nach draußen, dem Pferd hinterher, stürmte.

Diese Woche war eine besondere für alle Zwölftklässler hier – die sogenannte Valedictory Woche. Am Mittwoch haben sie ihre finalen Examen geschrieben und dann am Freitag ihren Abschluss gefeiert. Bei der großen Schulversammlung am Morgen wurden alle Absolventen ausgezeichnet und von der gesamten Schulgemeinschaft verabschiedet. Abends haben sie dann noch ein riesiges Abendessen inklusive Eltern und wichtigen Vertretern der Schule genossen.
Vorher allerdings haben sich alle zur Schule gehörigen Personen beim „Speech Day“ eingefunden. Das ist eine Art Jahresabschluss, beim dem alle Auszeichnungen vergeben werden und der Schulleiter eine ewig-lange Rede hält (Dieses Jahr ging sie 27 Minuten und war so stock-langweilig, das war schon nicht mehr lustig.). Begleitet wurde das ganze von Chor und der Dudelsack-Band und einem Auftritt zweier Schauspiel-Schüler. Alles in allem dauerte das Ganze 135 Minuten, doch der beste Part kam erst anschließend.

Da ja die große Dining Hall, die auf dem Schulgelände ist und in der die männlichen Internatsschüler normalerweise essen, von den Abschlussschülern belegt war, mussten die Jungs hier im Mädcheninternat essen.
Man möchte ja meinen, dass man daraus ein nettes Abendessen für alle Internatsschüler machen könnte, aber nein:
Direkt nach dem Speech Day mussten alle Mädchen sofort in den Bus steigen und wir wurden zurück ins Internat gefahren. Alles sollten sofort zum Abendessen und sich damit auch noch beeilen. Innerhalb von 15 Minuten waren sie alle abgefertigt und wurden aufgefordert, sofort ins Haus zu gehen und drinnen zu bleiben, während die Jungs da sind. Mir war das relativ egal, ich habe gemütlich gegessen und das Geschehen mit etwas skeptische Miene beobachtet. Als nun alle Jungs in zum Essen strömten, habe auch ich mich verzogen und wollte zurück zur Wohnung laufen – kam aber nicht mal zur Tür rein! Ohne Mist, da haben die Betreuerinnen hier die Mädchen doch tatsächlich im Haus eingesperrt! Eva nennt es nur „Geschlechtertrennung auf Australisch“. Und ich finde es einfach nur albern und lächerlich. Aber natürlich hat das Eingesperrt-werden bei den Mädchen einen Effekt hervorgerufen: Sie haben sich schreiend und in Unterwäsche aus den Fenstern gehangen, als die Jungs zurück zum Bus gelaufen sind – das haben die Betreuerinnen nun davon. Hätten sie einfach alle zusammen gegessen, hätte sich sicher niemand ausgezogen, sondern nur unterhalten...

Und wenn ich nun einmal dabei bin, euch von Kuriositäten zu erzählen, kann ich noch etwas berichten:
Man möchte ja meinen, dass man in Australien sehr aufs Wassersparen aus ist, vor allem jetzt, da es auf den Sommer zu geht, der sich ja schon als sehr heiß ankündigt. Wenn es nun also draußen regnet (sowohl letzten Samstag, als auch dieses komplette Wochenende), freut man sich, dass man die wertvollen Blumen mal nicht aus der Leitung wässern muss. Aber nein, die Chefin des Internats stellt jeden Tag die gefühlten 100 Sprinkler an und stellt sie natürlich auch nicht aus, wenn es wie aus Eimern schüttet. Ach ja, und anstatt die Büsche, wässern diese hier Fenster und Wege und sogar die Eingangstür zu unserer Wohnung – sehr effektiv und Wasser-sparend.

 So meine Lieben, bald ist Weihnachtszeit. Dieses Jahr wird das für mich wohl ein wenig seltsam, aber das gehört zu der Erfahrung Australien dazu. Bis bald, liebe Grüße, Lauri


Freitag, 2. November 2012

Die Zeit verfliegt schnell...Luci und das Rodeo

Hallo ihr Lieben, es gibt mal wieder einen neuen Bericht aus der Ferne:

Heute Morgen habe ich meinen kleinen Bruder wieder am Flughafen in Brisbane abgesetzt, nachdem wir nun 11 schöne Tage miteinander verbringen konnten. Also fange ich mal ganz von vorn an – letzte Woche Montag, als ich ihn genau dort abgeholt habe.

Schon seit einer geraumen Zeit stand fest, dass ich nach Ayer´s Rock fliegen werde und als eine kleine Überraschung hat meine Familie sich gedacht, schickt sie mir anschließend meinen kleinen Bruder über die Herbstferien hierher. Alles war genau so abgestimmt, dass wir circa zur selben Zeit am Flughafen ankommen. Bedingt durch schlechtes Wetter und daraus resultierenden Verspätungen musste ich mich sehr beeilen vom nationalen zum internationalen Terminal zu gelangen und nach 60 nervenaufreibenden Minuten des Wartens konnte ich Luci dann freudestrahlend in die Arme fallen. Zwischenzeitlich hatte ich sogar schon befürchtet, dass er nicht durch die Einreisekontrolle gelassen worden ist!

Gemeinsam mit Lisa (mit der ich ja in Ayer´s Rock war) und Christoph, einem Freund von meiner Schule in Dresden, der gerade ein Work&Travel Jahr in Australien macht, sind wir dann am späten Abend nach Warwick gefahren. Die Jungs durften bei meinen Gappy-Kollegen im Haus übernachten und haben es sich dort die letzten Tage gemütlich gemacht.
Tagsüber haben sie Erkundungstouren durch Warwick unternommen und Ecken entdeckt, die ich in meinen nunmehr fast 4 Monaten sicher selber noch nicht mal gesehen habe.

An den Nachmittagen nach der Arbeit haben wir uns getroffen und in der Stadt einen Kaffee getrunken und einfach ein wenig gequatscht. Letzten Donnerstag habe ich dann Eva, Lucas und Christoph ins Auto gepackt und wir sind zusammen ein wenig auf den Nebenstraßen gefahren, weil ich ihnen unbedingt wild-lebende Kängurus zeigen wollte. Fündig sind wir dann bei Leslie Dam, einem Damm 10km außerhalb von Warwick, geworden, wo wir eine ganze Gruppe von ihnen gesehen haben. Weil ich ja arbeiten musste, konnte ich meinen Bruder nicht allzu viel zeigen, aber ich hoffe, er hat es trotzdem genossen.

Letztes Wochenende fand hier in Warwick das jährliche Rodeo statt. Warwick Rodeo ist das bekannteste (und für manche auch größte) Rodeo in ganz Australien und erstreckt sich über eine ganze Woche. Die Leute treten dort in den unterschiedlichsten Disziplinen an, reiten auf wilden Pferden und Bullen oder fangen kleine Kälber mit einer Schlinge ein, während sie reiten. Kurzum, es ist einfach Wahnsinn. Eine meiner Kolleginnen hat mir einen Job beim Rodeo vermittelt, weshalb ich das ganze Wochenende kostenlos auf das Gelände gekommen bin, nur indem ich für 4 Stunden Sandwiches geschmiert habe (Mit dem Resultat, dass ich in den nächsten Wochen auf keinen Fall ein weiteres essen werde!).
Nichtsdestotrotz, den Rest des Wochenendes habe ich mit meinem kleinen Brüderchen verbracht. Freitag Abend hatten wir viel Zeit zum Quatschen und sind gemeinsam auf einer Jahrmarktsattraktion gefahren, die in Deutschland definitiv illegal wäre. Vielleicht kennen einige von euch die sogenannten „Breakdance“ auf dem Rummel – es war so ein Ding, aber noch viel, viel schneller und wilder, sodass ich zeitweise sogar Angst hatte, gleich raus zu fallen. Bis heute kann ich den riesigen blauen Fleck auf meinem Oberschenkel sehen. Auf dem Rodeo habe ich mir einen echten Cowgirl Gürtel anfertigen lassen und die Woche davor habe ich mir ein ordentliches Shirt gekauft - das Outfit war perfekt! Auf dem Foto sieht man Andrew, Daniel (unseren neuesten Gappy) und mich in typisch australischen Rodeo-dress.

Am Samstag Morgen hat Eva uns dann ein riesiges Frühstück serviert und wir sind alle gemeinsam zum Park gelaufen, wo ein großer Markt aufgebaut war, auf dem es hauptsächlich Schnick-Schnack und Süßigkeiten gab. Auch die Schule, in der ich arbeite, hatte einen Stand, an dem sie Geld für einen Trip nach Frankreich im April gesammelt haben. Einfach weil ich es so gerne esse, habe ich eine Packung „Rocky Road“ gekauft – Schokolade mit Gummibären und Marshmallows.
Danach haben wir uns auch noch die Parade auf der Hauptstraße angeschaut, bei der die lokalen Geschäfte und Institutionen sich vorstellen und die einfach sehr schön anzuschauen war. Dort habe ich auch festgestellt, wie viele Leute aus der Umgebung ich nach nun fast 4 Monaten schon kenne!
Am Abend haben wir dann die Bar beim Rodeo ausgetestet und das schärfste an der Sache war, dass die Bestimmungen für den Alkoholausschank hier so streng sind, dass niemand unter 18 in den Bereich darf. Mein Bruder wird ja aber erst nächste Woche 18 und wie durch ein Wunder hat er trotzdem ein Bändchen bekommen und wir konnten alle zusammen feiern.
Den Sonntag haben wir dann ganz gemütlich verbracht, waren einkaufen und haben anschließend alle zusammen einen Cheesecake gebacken – sehr lecker.
Alles in allem war es ein sehr schönes Wochenende und wir hatten eine Menge Spaß.

Bevor mein Brüderchen zurück nach Deutschland gehen durfte, musste er natürlich noch Känguru-Fleisch ausprobieren. Um ehrlich zu sein, es riecht eklig und sieht auch nicht sonderlich appetitlich aus, ist aber eigentlich sehr lecker. So haben wir also einen kleinen Grill-Abend im Gappy-house organisiert und das war seit Langem eines der schönsten Dinge, die wir Gappies zusammen gemacht haben.

Damit Luci nun aber doch noch wenigstens ein bisschen etwas von Australien sieht und hat, habe ich mir zwei Tage frei genommen und wir sind gemeinsam mit Eva und Christoph an die Gold Coast nach Surfers Paradise gefahren. Auf dem Weg dort hin, sind wir noch im Lone Pine Koala Sanctuary vorbei. Das war mal eine Koala-Auffangstation – ein Ort, wo die kranken Tiere gepflegt und aufgepäppelt wurden, ist heute aber ein kompletter, kleiner Tierpark. Das Besondere daran ist, dass du einen Koala auf dem Arm tragen und die Kängurus füttern darfst - ein unvergessliches Erlebnis! Der Koala, den ich halten durfte, heißt Barnaby und war so unglaublich lieb und hat für das Foto sogar gelächelt. Nichtsdestotrotz muss ich sagen, dass mir die männlichen Kängurus reichlich Angst gemacht haben – die waren so gierig und haben um das Futter gekämpft, dass mich eines sogar gekratzt hat.

An der Gold Coast haben wir uns in ein kleiner Motel eingemietet, vor dessen Tür gerade gebaut wurde, sodass ich mit dem riesigen Falcon über den Fußweg zum Parkplatz fahren musste, der sich dann auch noch als winzig erwiesen hat, aber: Situation gemeistert, keine Kratzer und perfekt geparkt. Den Nachmittag haben wir für einen schönen Spaziergang am Strand und eine kurze Abkühlung im Pazifik genutzt.Für den besonderen Anlass haben wir uns am Abend sogar ein Essen inklusive tollem Cocktail im Hard Rock Cafe´in Surfers geleistet.
Weil wir meinen Kleinen ja heute schon wieder zum Flughafen bringen mussten, sind wir dann morgens gleich zurück nach Brisbane gefahren. Eva hat sich einen neuen Koffer gekauft, während wir Luci und seinen Koffer eingecheckt haben.

Der Abschied viel mir sehr, sehr schwer. Es ist schwer, von zu Hause weg zu sein. Ich bin es gewohnt, meine Lieben um mich zu haben und jetzt sind sie alle so weit von mir weg – das ist nicht einfach. Trotzdem habe ich mich sehr gefreut, Lucas für ein paar schöne Tage bei mir zu haben und freue mich nun auf Weihnachten, wenn ich das schönste Geschenk auf der Welt bekommen werde...

Oh, und es gibt noch mehr zu berichten: Meine Rückflugdaten stehen fest!
Es ist ein tolles Gefühl, zu wissen, wann ich wieder nach Hause kommen werde – mein Handy zählt die Tage.

Die letzten drei Wochen waren für mich nicht nur sehr spannend und ereignisreich, sondern auch anstrengend und auslaugend, weshalb ich mich nun in mein Bettchen legen und von Weihnachten träumen werden.

Macht es gut, ihr Lieben, viele herzliche Grüße aus Down Under