Dienstag, 23. Oktober 2012

Ayer´s Rock - ein Stein in der Wüste

Ein herzliches Hallo aus den Weiten Australiens!
Es tut mir leid, dass es mal wieder so lange gedauert hat, bis ihr Neuigkeiten von mir hört, aber das können wir auf zwei Tatsachen schieben: 1.) Ich war in den letzten zwei Wochen sehr beschäftigt und 2.) auf Reise in Ecken diesen Landes, in denen es nur schwer eine Internetverbindung gibt ;-)

Natürlich sind auch wieder einige spannende/traurige Dinge passiert: Schlechte Neuigkeiten zuerst – meine Zimmernachbarin ist zurück nach Neuseeland gegangen. Hayley hat nun neun Monate in Warwick verbracht und musste in ihre Heimat zurück, da ihr Cousine geheiratet hat. Allerdings auch gleich ein paar gute – die Lehrerin von meiner alten Schule ist jetzt mit in mein Zimmer gezogen, sodass ich also doch (noch) nicht allein bin. Und um gleich noch eins drauf zu setzen – mein Brüderchen ist gerade hier, um mich zu besuchen und das ist natürlich ein Grund zur Freude.

Da der Trip nach Canberra, den ich letzte Woche mit den Schülern der 7.Klasse unternommen habe, einen viel ausführlicheren Eintrag erfordert, möchte ich dieses Mal von meinem Wochenendurlaub in Ayer´s Rock berichten.

Für alle unter euch, die jetzt keinen Plan haben, was zum Teufel das eigentlich ist:
Ayer´s Rock, bei den Eingeborenen (auch Aborigines genannt) als Uluru bekannt, ist der große Fels, der ziemlich genau in der Mitte Australiens, im Gebiet des Nothern Territory, liegt. In Europa sind eigentlich nur drei Dinge über Australien bekannt: 1.) Das Opernhaus in Sydney, 2.) Das Great Barrier Reef, welches zu den Weltkulturerben gehört und 3.) Ayer´s Rock, der rote Fels mitten in der Wüste. Er ist ein Monolith, ein Überbleibsel der ursprünglichen Erdmasse, dem Wind und Wetter nichts anhaben konnten. Für die Ureinwohner Australiens ist er ein heiliger Ort und für die meisten Touristen ein Muss. Man kann Uluru nicht nur besichtigen, sondern sogar besteigen, allerdings nur, wenn keine spirituellen Rituale abgehalten werden - die Aborigines behalten es sich vor, den Touristen die Besichtigung zu verweigern – sehr zum Ärger der Tourismusunternehmer.
Nachdem ich nun am Freitag nach einer 18 Stunden langen Busfahrt aus Canberra zurück kam, habe ich sofort meine Tasche gepackt und bin noch am Abend mit meiner Reisebegleitung Lisa (Sie ist eine deutsche Austauschschülerin hier in Warwick.) Richtung Flughafen in Brisbane gefahren.
Nebenbei bemerkt war das meine erste Fahrt durch die Stadt hier in Australien und es war leichter als gedacht. Unser Flug ging dann aber erst Samstag Morgen 6:30 Uhr – über Sydney und dann auf den kleinsten Flughafen, den ich je gesehen habe. Ganz ehrlich, ich wusste ja, dass wir mitten in der Wüste landen würden, aber mit diesem Mini-Flughafen hatte ich dann doch nicht gerechnet.
Von dort aus wurden wir dann mit einem Reisebus zum 10 Minuten entfernten Hotel Ressort gefahren. Als wir die Reise vor 1,5 Monaten gebucht haben, wollten wir uns den Luxus eines Hotels leisten, da eine Jugendherberge in diesem Ressort unwesentlich günstiger wäre.

Unser Zimmer sah spitze aus: zwei riesige Queen-size Betten und ein luxuriöses Badezimmer – bei dem Preis allerdings auch angemessen. Auch der Rest der Anlage ist sehr schön, ein Pool mit Liegen zum Sonnen, viele verschiedene Pflanzenarten rund um die einzelnen Apartments und ein schickes Restaurant. Das Uluru Ressort ist wie eine kleine Stadt aufgebaut und im Zentrum gibt es einen Supermarkt, Restaurants und Bistros und natürlich die obligatorischen Souvenirläden. Doch da es sich bei dieser Stadt um ein sehr abgelegenes Fleckchen Erde handelt (und der Tourismus dort boomt), sind die Preise sehr hoch.

Für Samstag Abend hatten wir das sogenannte „Sounds of Silence“ Dinner gebucht, auf das wir uns beide sehr gefreut haben. Schon bei der Ankunft am Ayer´s Rock war uns mitgeteilt worden, dass die Sichtverhältnisse in der Gegend aufgrund von Buschfeuern sehr eingeschränkt sind und so konnten wir den riesigen Felsen durch Staub und Asche in der Ferne kaum ausmachen. Nichtsdestotrotz fing das Dinner mit einem Sektempfang sehr angenehm an und auch die ganze Atmosphäre mitten in der Wüste war schön und romantisch. Wir wurden zu unserem Tisch geführt, den wir mit zwei Pärchen aus Italien und zwei älteren Pärchen aus Oklahoma geteilt haben, die Getränke wurden immer nach geschenkt (Ich hatte mich für einen sehr leckeren Chardonnay entschieden.) und eine Suppe als Vorspeise gereicht, als es plötzlich anfing leicht zu regnen. Am Anfang hat es keinen gestört, beziehungsweise jeder hat es versucht zu ignorieren, schließlich wollte man sich von so etwas nicht den Abend vermiesen lassen. Doch gerade als die Hälfte der Anwesenden ihre Hauptspeise vom Buffet geholt hatte, setzte ein furchtbarer Wind an, in der Ferne war Wetterleuchten zu sehen und der Regen wurde stärker, sodass die Verantwortlichen die Veranstaltung abgeblasen haben. Zum Glück hatten wir unser Essen schon verspeist und mussten nicht hungrig ins Bett gehen und nun bekommen wir die Hälfte des Geldes für das Dinner zurück.

Am nächsten Morgen stand die „Camel to Sunrise“ Tour für uns an. Das heißt, wir mussten 4:45Uhr aufstehen (und das zum Sonntag!) und haben uns dann im Halbdunkeln auf ein Kamel geschwungen und sind in einer Kolonne in die Wüste aufgebrochen. Die Sichtbedingung hatten sich nur geringfügig verbessert, dennoch hatten wir unseren Spaß auf den Kamelen und allein das ist schon eine Erfahrung für sich. Für alle, die noch nie auf einem Kamel geritten sind: Es ist beängstigend. Grundlegend fühlt es sich wie Reiten auf einem Pferd an, aber das Auf- und Absteigen ist das reinste Abenteuer. Zuerst stellt das Kamel die Vorderbeine auf, sodass man nach hinten runterzurutschen droht und dann schwingt es auch noch die Hinterbeine in die Höhe, während sich der Reiter sich so gut es eben geht am Sattel festkrallt. Der 2 Stunden Trip war sehr angenehm und informativ und wurde zum Ende hin sogar richtig spannend, als uns plötzlich ein Dingo (Dingos sind wilde Hunde, vergleichbar mit unseren Wölfen – man will ihnen nicht unbedingt begegnen.) verfolgte. Diese Tiere sehen echten Hunden zum Verwechseln ähnlich!
Den Rest des Tages haben Lisa und ich damit verbracht, etwas über die Aborigines und ihre Kultur und Fertigkeiten zu lernen. Zum einen haben wir uns im Speerwerfen versucht (Wer hätte das gedacht, ich bin ein Naturtalent dafür, also falls ich jemals in der Wüste überleben muss, kann ich mir schon einmal Essen besorgen.) und dann anschließend gelernt, wie man typische Werkzeuge der Ureinwohner herstellt und benutzt. Der Mann, der uns alles erklärt hat, ist halb Aborigine und halb Deutscher – sein Familienname ist Krause, aber er spricht kein Wort Deutsch.Später am Abend haben wir dann auch noch einen Eingeborenen-Tanz gesehen und ich habe mich sogar getraut mitzumachen – auch wenn das etwas albern ausgesehen haben muss.

Immer noch nicht zufrieden mit der Qualität unserer Fotos haben wir uns an unserem letzten Tag am Ayer´s Rock früh am Morgen noch einmal zu einer Aussichtsplattform begeben und letztlich doch noch ein paar schöne Fotos vom großen roten Felsen in der Mitte Australiens erhascht.
Ayer´s Rock ist eine Art spiritueller Ort, viele Leute kommen, ihn zu sehen und seine „Kraft“ zu spüren. Für mich war es ein sehr interessantes und bewegendes Gefühl dort zu sein.
Wer hätte schon vor einem Jahr gedacht, dass ich eines Tages (in nicht allzu ferner Zukunft) dort sein werde und eines der Wunder der Natur betrachten darf.

Letztlich war ich dann aber auch froh, als ich gestern Abend endlich wieder in mein Bett im Internat kriechen und eine Mütze ordentlichen Schlaf kriegen konnte.
Als nächstes berichte ich euch dann von den tollen Erlebnissen auf der Canberra-Reise und bis dahin: Viele liebe Grüße aus Down Under!

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Geburtstag in Down Under und Ferien in Queensland

Hallo ihr Lieben, lange hat´s gedauert, aber nun bin ich wieder da!

Es tut mir leid, dass wieder so viel Zeit verstrichen ist, seit ich mich zuletzt gemeldet habe, aber wir haben hier in Queensland gerade Frühlingsferien (Für euch klingt das jetzt sicher seltsam – Frühling im September/Oktober, what the f***, aber ich bin ja in der südlichen Hemisphäre und da ist eben alles umgedreht.) und ich war mit meinen Gappy-Kollegen auf Tour durch den südlichen Teil des Staates.

Nun aber mal ganz langsam:
In der Woche vor den Ferien haben sich die meisten Internatsschüler schon auf den Weg nach Hause gemacht und es stand auch sonst nicht mehr viel an.
Am Donnerstag (20.September) fand in der Junior School noch der Grandparents Day statt – jedes Kind hat Einladungen an seine Großeltern geschickt und die sind dann in die Schule gekommen und haben einen kleinen Eindruck vom Alltag dort bekommen. Für uns hieß das hauptsächlich Tee und Kaffee ausschenken und Kuchen reichen, von denen wir dann die Reste als Afternoon Tea hatten.
Meine Gappy-Freunde hatten als kleine Überraschung für mich zum Geburtstag einen Kuchen gebacken, den sie mir dann Donnerstag-Abend mit angezündeten Kerzen überreicht haben.
Freitag war ja letzten Term immer mein freier Tag, aber vor den Ferien wurde ich 8:30 Uhr von einem Anruf geweckt: “Steh auf, zieh dich an, wir brauchen dich heute, hier ist zu wenig Personal!” Eifrig wie ich bin, hab ich mich fertig gemacht und als ich dann in der Junior School ankam, stand da eine riesige Torte mit einem Flamingo, Kerzen und “Happy birthday, Laura!” auf dem Tisch. Alle Kollegen haben also für mich gesungen, das war so süß.
Am Abend waren wir dann noch zu einem kleinen Umtrunk zur Feier des Ende des Terms eingeladen, wo wir uns nett mit allen Lehrern und Lehrerinnen unterhalten haben. Natürlich wurden wir auch wieder von vielen Leuten zu sich nach Hause eingeladen.
Am nächsten Morgen war ja nun mein Geburtstag und dafür hat die Lehrerin von meiner alten Schule in Dresden, die im Moment auch hier in Warwick lebt, ein riesiges Frühstück vorbereitet. Unser Auto war gepackt und die erste Station unserer Ferien war “The Plucked Duck – Goondiwindi B&S”.

Schon ein paar Wochen vorher kam Andrew auf mich zu und meinte: “Wir fahren mit einem Freund von mir zu einer riesigen Feier im Outback.” Okay, alles klar, ich bin dabei, wovon auch immer wir da reden. Wie sich herausstellte ist ein B&S (Bachelors & Spinters – Junggesellen und Junggesellinnen) im ursprünglichen Sinn ein großes Zusammenkommen für die Bewohner des australischen Outbacks, die ja sonst kaum sozialen Kontakt haben. Heutzutage handelt es sich dabei mehr um eine Mega-Freiluftparty, bei der viel getrunken und getanzt wird. Man baut sich ein kleines Lager auf, sitzt zusammen, spielt mit einem Rugby-Ball, quatscht und beginnt schon am Mittag zu trinken. Für die richtige Party muss man sich dann chic rausputzen, wobei die Sachen selbst keinesfalls neu oder teuer sein sollten, sie werden nämlich nicht nur dreckig, sondern auch zerrissen und mit Lebensmittelfarbe bespritzt. Alles in allem waren circa 1200 Leute da (Die größte Geburtstagsparty, die ich je hatte.) und es hat Spaß gemacht, mit allen zu feiern.
Übernachtet haben wir natürlich im Kofferraum unseres tollen Autos, wofür Andrew extra Matratzen angepasst hat, dass sie das richtige Format haben. Nach dem B&S brauchten wir allerdings alle erst mal eine Dusche und eine dicke Portion Schlaf.

Unseren eigentlichen Urlaub haben wir dann am 24. September gestartet:
Auf dem Weg in die Großstadt haben wir noch eine kurze Kaffeepause bei einer Freundin gemacht, die eine Überraschung für mich hatte, von der ich natürlich auch nichts wusste – sie hat mir einen Kuchen und die köstlichsten Kekse der Welt gebacken – mein dritter Geburtstagskuchen.


 Die ersten zwei Tage waren wir in Brisbane, der Hauptstadt Queenslands, wo wir Freunde von Andrew getroffen und eine Stadtrundtour gemacht haben. Das Problem mit Australien ist, dass das Land noch sehr jung ist und somit auch seine Städte. Es gibt für einen Touristen in Brisbane nicht wirklich viel zu entdecken, außer Hochhäusern und ein paar Museen

Unser nächster Stopp war die Gold Coast, genauer gesagt, Surfers Paradise - wunderschönes, blaues Meer und atemberaubende Sandstrände. Die Kulisse ist einfach einzigartig, vor allem mit den riesigen Hochhäusern im Hintergrund und den gefährlich hohen Wellen auf dem Pazifik.
Ein Freund von meiner Schule ist gerade an der Gold Coast und wir haben uns zum Mittagessen getroffen und ein wenig gequatscht – da wurde mir auch wieder bewusst, wie weit über die Welt verstreut all die Leute sind, mit denen ich gerade noch zur Schule gegangen bin!
Da es in Surfers Paradise keine Campingplätze gibt, haben wir uns in ein billiges Jugendhotel eingemietet und eine seltsame Überraschung erlebt: 1.) Als ich mich gerade ins Land der Träume verabschieden wollte, höre ich aus einem der umliegenden Zimmer deutschen Rap! Und 2.) Mehr oder weniger im selben Moment bemerke ich, dass das Bett unter mir anfängt zu wackeln und die junge Frau aus dem anderen Hochbett verschwunden ist. Keine weiteren Ausführungen an dieser Stelle.


Ganz die Touries, die wir sind, haben wir es uns gegönnt, im Hard Rock Cafe´Surfers Paradise zu Abend zu essen. Da dieses ein eher kleines war, mussten wir auf einen Tisch warten und haben uns die Zeit damit vertrieben, riesige Cocktails zu schlürfen, deren Gläser wir anschließend behalten durften (bei dem Preis auch echt angebracht!).
Surfers ist eine Art Touristenhochburg, vor allem beliebt bei den jungen Party-Menschen, also haben wir es uns auch nicht nehmen lassen, einen der zahlreichen Nachtclubs zu besuchen. Das Gute war, dass Hayley und ich bei einem morgendlichen Shopping-Trip ein paar kostenlose Eintrittskarten bekommen haben (für gewöhnlich kostet der Eintritt ca. $20), die uns dann gleichzeitig auch freie Getränke gesichert haben – wir Glücklichen. Es war eine Ladys-Night, die Musik war gut und wir haben beim Tanzen viel Spaß gehabt.


Die nächste Station war Stradbroke Island, eine Insel östlich von Brisbane. Wir mussten mit einer kleinen Fähre übersetzen und waren sofort von der Gegend begeistert. Stradbroke ist ein kleines Paradies, total ruhig und mit wunderschönen kleinen Buchten. Wir haben unser Zelt neben einer Gruppe Jugendlicher aufgebaut, mit denen sich gleich angefreundet wurde und so kam es am ersten Abend zu einem sportlichen Duell – Aussies vs. Internationals. Ratet mal, wer gewonnen hat!
Hihi, auch wenn die Hälfte von uns keinen Plan von Kricket hat und wir ein gemischtes Touch-Team sind, haben wir die vier Jungs ohne Probleme besiegt.
Anschließend war Hayley und mir nach Abkühlung, also sind wir in die kleine, an den Campingplatz angeschlossene Bucht gegangen, um ein wenig zu schwimmen, als die Jungs plötzlich meinten: „Dreht euch mal um, da sind Delfine!“ Gott, sind wir erschrocken und erst mal schnell aus dem Wasser raus, denn sie waren keine 20 Meter von uns entfernt! Die Delfine sind dort einfach durch die Bucht geschwommen und ab und zu sogar gesprungen, sodass wir sie in ihrer vollen Pracht sehen konnten – einfach unglaublich.

Nach Stradbroke hat es uns an die Sunshine Coast verschlagen, die leider überhaupt nicht sonnig war. Die ersten beiden Tage hat es nur geregnet und dementsprechend war auch unsere Stimmung langsam am Sinken. Zu allem Übel ging es Harry dann auch noch schlecht (wie sich herausstellte hat er Pfeiffersches Drüsenfieber!), aber wir haben das Beste daraus gemacht.
Ein Lehrer, den alle nur Mr. O nennen, weil sie seinen vollen Namen nicht aussprechen können, hat uns zu einer Bootstour auf dem Noosa-River eingeladen. Die Stadt Noose ist ein Touristenmagnet, vor allem beliebt bei den Gutbetuchten. Schon sein Haus hat uns die Sprache verschlagen, eine riesige Villa mit großem Garten in einer äußerst noblen Nachbarschaft.
Zusammen mit seinen Töchtern haben wir dann auf dem Fluss, der eigentlich ein Abzweig des Meeres ist, eine Tour auf einem sogenannten Biscuit-Kissen gemacht und ich sage euch, dass tut verdammt weh! Und ist irgendwie auch lustig. Du liegst auf dieser aufblasbaren Matratze, krallst dich fest und versuchst, deine Beine möglichst mit auf dem Kissen zu halten, ansonsten schleifen sie über das Wasser, während du hinten an dem Boot hängst. Trotz Regenwetter war das ein sehr lustiger Ausflug.
Ansonsten haben wir die Zeit an der Sunshine Coast damit verbracht, uns gegenseitig Kartenspiele beizubringen (Ich bin total stolz, dass ich jetzt Herz spielen kann und die Regeln sogar verstehe!) und uns noch besser kennenzulernen. Auch auf diesem Campingplatz haben wir neue Bekanntschaften gemacht – eine vierköpfige Familie mit zwei kleinen Jungs, mit denen wir „Bullshit“ gespielt haben. Zu späterer Stunde artete das Ganze dann in ein Trinkspiel aus und Mama und Papa haben fleißig vor ihren Jungs getrunken, was ich persönlich etwas seltsam fand, aber jedem das Seine.

Den Abschluss unserer Reise haben Hayley und ich damit gefeiert, dass wir am Strand erst ein wenig mit dem Rugby gespielt haben und anschließend eine Sandburg gebaut und zerstört haben.
Wie die kleinen Kinder, sage ich euch! Aber damit wir diese Zeit nie vergessen werden, haben wir es im Sand verewigt.






So, ihr Lieben, jetzt seid ihr wieder auf dem Laufenden und ich melde mich sicher bald mit neuen Nachrichten aus dem fernen Australien... 


Montag, 17. September 2012

Junior School Musical “A nice walk in the jungle” und eine kleine Überraschung

Hey, also dieses Mal war ich doch wirklich fix, oder?
Das liegt aber hauptsächlich daran, dass ich diese Woche so viel erlebt hab, dass ich das jetzt gleich mit euch teilen will.

Wir haben hier gerade die neunte Woche des Terms hinter uns gebracht und die stand in der Junior School ganz im Motto des Musicals. Ich weiß gerade gar nicht, ob ich das schon mal erwähnt habe, aber wir haben und den vergangenen fünf Wochen mit den kleinen Kids Lieder und Tänze einstudiert, die sie dann gestern vor Eltern, Großeltern, Geschwistern und Freunden der Schule vorgeführt haben.

Bereits in der zweiten Woche hier in Australien kam der irische Gappy, Andrew, zu mir und meinte: “Laura, am Ende des Terms müssen wir Ballett tanzen und ein paar Hebefiguren sollten wir dafür langsam mal einstudieren.”
Ihr könnt euch meinen verdutzten Gesichtsausdruck sicher bildlich vorstellen, weil ich in diesem Moment keinen Schimmer davon hatte, was er mir damit sagen will.
Die Woche darauf hat sich dann aber alles aufgeklärt, als ich im Musikunterricht mit den Schülern Tänze und Lieder gelernt habe.

Die Arbeit an dem Musical hat eine Menge Spaß gemacht, war aber auch sehr anstrengend und hier und da gab es auch ein paar Tränen. Jede Klasse hat eine Szene für sich bekommen, in der sie entweder gemeinsam getanzt oder gesungen haben und daneben gab es dann drei kleine Geschichten, die alles verbunden haben.

Die ganze Woche über sind wir morgens zur Town Hall gefahren und haben das ganze Stück geprobt und glaubt mir, es war eine Katastrophe! In der Junior School gibt es 118 Kinder im Alter von fünf bis neun Jahren....Kriegt die mal alle unter einen Hut und vor allem Kontrolle!
Nichtsdestotrotz war es ein sehr schönes Erlebnis und die Lieder werden mich jetzt wohl noch ein Weilchen gedanklich verfolgen.

Meine Aufgabe war es, zwei der Hauptdarsteller vorzubereiten, ihre Requisiten zusammen zu halten und ihren Text zu soufflieren. Die zwei sind einfach grandios und total süß gewesen und sind mittlerweile sogar ein wenig ineinander verliebt, glaub ich.
Tom hat ein super-kitschiges Boyband-Lied gesungen („One thing“ von One Direction), aber ich sage euch, der Junge hat die Stimme eines kleinen Engels! Wir waren alle hin und weg.

Zur Belustigung aller und Überraschung der Kids haben auch alle Lehrer und Mitarbeiter der Junior School etwas einstudiert – einen kleinen Ballett-Tanz zu „Schwanensee“.
Alle Frauen hatten ein hell-rosa Shirt und eine knall-pinke Leggins besorgt und gemeinsam haben wir rosa Tutus gebastelt. An dieser Stelle erklärt sich dann natürlich auch, warum Andrew meinte, wir müssen Hebefiguren einstudieren, denn wir beide waren die Hauptattraktion des Tanzes, haben so getan als seien wir Profis und es war einfach nur lustig.

Das Foto zeigt mich nach der Vorstellung mit extra viel pinkem Lidschatten – das Make-up wieder von meinem Gesicht zu bekommen, war dann die nächste Herausforderung.
Nach dieser Woche hatte ich meinen freien Tag wirklich nötig und hab ihn auch genutzt.

Am Abend war Hayley und mir so schrecklich langweilig, dass wir uns einfach ins Auto gesetzt haben und kreuz und quer durch Warwick gefahren sind. Auf der Suche nach einem guten Aussichtspunkt sind wir in einer Sackgasse gelandet und während des Wendens sind zwei wichtige Dinge passiert: 1.) Ich habe die erste Sternschnuppe meines Lebens gesehen und 2.) direkt vor unserem Scheinwerfer sind plötzlich zwei Kängurus aufgetaucht! Oh mein Gott, ich sage euch, wir sind beide so schrecklich erschrocken und hatten extremes Herzrasen. Auch wenn Hayley schon neun Monate in Australien ist, hat sie bis zu diesem Punkt noch kein lebendes Känguru gesehen und wir waren beide äußerst aufgeregt. Der Freitagabend war also nicht vergeudet.

Allerdings war das noch lange nicht das Ende der Woche für mich:
Samstag mussten wir wieder früh raus, weil dieses Wochenende das große TAS-Finale anstand und wir nach Brisbane gefahren sind. Alle Touch-Teams haben ihre Spiele gewonnen und haben jetzt die Premiership inne. Auch Firsts und Seconds der Volleyball-Mädels haben es bis ins Finale geschafft, aber leider in sehr spannenden Spielen und nur ganz knapp verloren.
Für mich heißt das jetzt 3 Monate kein TAS, da erst in Term 1 wieder gespielt wird.

Und auch am Sonntag sind wir wieder sehr früh aufgestanden, dieses Mal um an die Gold Coast zur Warner Bros. Movie World Australia zu fahren. Weil die Internatskinder dieses Jahr nicht auf die EKKA, eine Art Austellung inkl. Fahrgeschäfte und anderen Vergnügungen, gegangen sind, gab es diesen Term eben den Ausflug in den Freizeitpark und wir durften mit.
Es war ein schöner Tag und wir haben ihn in vollen Zügen genossen.

Der Park selbst ist nicht allzu groß, aber es gibt ein paar sehr beeindruckende Achterbahnen, die ich natürlich (fast) alle bezwungen habe. Um ehrlich zu sein, wäre mir bei den meisten fast das Herz stehen geblieben, aber da die anderen Gappies mich mitgeschleppt haben, blieb mir ja nichts anderes übrig. Und wenn man es dann einmal gemacht hat, freut man sich ja auch darüber, seine Ängste bezwungen zu haben, oder?

Meine liebe Mitbewohnerin Hayley hat mich allerdings auch böse reingelegt:
Eines der Fahrgeschäfte heißt Scoobydoo und sie meinte: „Oh, das ist nur eine Geisterbahn und die versuchen dich halt zu erschrecken, nichts mit Achterbahn oder so.“ Tja, nach 45 Minuten warten, war es aber genau das, eine Achterbahn, mit Rückwärtsfahren und allen möglichen Spielereien – rauf runter, links rechts, um die Kurve usw.
Wir haben uns einen Ast gelacht, auch wenn ich kurzzeitig total erschrocken bin.

Nach zwei Tagen früh aufstehen und viel Action bin ich jetzt aber echt müde und geschafft, weshalb ich auch gleich in mein Bettchen hüpfe. Vorher nur noch zwei Sachen:

Mir ist gerade aufgefallen, dass ich euch noch gar nicht erzählt habe, dass ich das Wochenende zuvor auf einer Milchfarm Kühe gemolken habe und Quad gefahren bin und in einem Bergfluss gebadet habe (um 6 Uhr abends wohl bemerkt).
Es hat auf der Farm zwar total gestunken (verständlich, bei 387 Kühen auf einem Haufen), aber die Arbeit war total lustig und interessant.

Und zum Abschluss dieses Eintrags möchte ich noch etwas ganz wichtiges loswerden...

Letzter Montag war der 10.September – der erste Jahrestag für meinen Drops und mich, den wir aber leider getrennt verbringen mussten. Nichtsdestotrotz liebe ich diesen ganz besonderen Menschen und hoffe, das weiß er auch.
Ihm verdanke ich, dass ich jetzt bin, wer ich bin und das wohl schönste Jahr meines Lebens.

Aber natürlich danke ich auch euch allen, dass ihr immer für mich da seid.
Liebe Grüße nach Deutschland aus dem langsam warm werdenden Australien!
Lauri

Donnerstag, 6. September 2012

Alltag, Lehrerin-Sein und was es aus Australien noch so zu erzählen gibt

An erster Stelle möchte ich mich dieses Mal entschuldigen – ich weiß, dieses Mal habe ich echt lange gebraucht, mal wieder etwas Neues zu schreiben...

Da das nun echt mal an der Zeit ist, erkläre ich euch, was genau ich hier eigentlich den lieben langen Tag zu tun habe und wie mein Alltag in Warwick so aussieht:

Jeden Montag bis Donnerstag klingelt mein Wecker 7:10Uhr ( das ist in Mitteleuropäischer Zeit 23:10Uhr), ich stehe etwas schlaftrunken und sachte auf, mach mir einen Toast (auf dem man abwechselnd Peanutbutter – äußerst lecker, Nutella-ähnliches Haselnuss-Zeug oder einfach nur Butter mit Salz findet) und schaue dabei Nachrichten. Das klingt jetzt alles nicht sonderlich spannend, aber um ehrlich zu sein, ist es fast wie zu Hause – wenigstens habe ich eine morgendliche Routine. Ach ja, und die Nachrichten sind extrem witzig. Keine Ahnung, aber die Australier haben echt einen interessanten Sinn für Humor (auch wenn der Moderator eigentlich aus Neuseeland kommt und dort wegen rassistischen Witzen raus geflogen ist) und so komme ich schneller ins Englische rein.
Punkt 8Uhr fährt der Bus zur Schule und wenn man den verpasst (wie Hayley und ich in der dritten Schulwoche), muss man eben $13 für ein Taxi bezahlen. Die Fahrt zur Schule dauert ungefähr 5-8 Minuten und zu dieser Tageszeit hängt jeder noch seinen eigenen Gedanken nach.
Meine Frühschicht, die sich „Playground Duty“ nennt, beginnt 8:15Uhr. Dort verhalte ich mich wie eine Sicherheitskamera – mein Kopf schweift von links nach rechts, immer auf der Suche nach Gefahr, Streit oder Unfällen. Um ehrlich zu sein, sind diese 25 Minuten, bis ich die Kinder losschicke, die Glocke zu läuten, meistens recht unspektakulär. Aber es gibt tatsächlich übertrieben ängstliche Eltern, die ihren Kindern nicht erlauben, auf einem Spielplatz zu spielen, weshalb ich dann schauen muss, dass diese sich dann irgendwie anderweitig beschäftigen.


Vormittags bin ich im Moment hauptsächlich mit der zweiten Klasse oder den Vorschülern zugange.
Da es in der zweiten Klasse (im Gegensatz zu den anderen jungen Klassen) nur eine Lehrerin gibt, ist diese sehr dankbar, ein helfendes Paar Hände im Klassenzimmer zu haben. Sie gibt mir meistens eine Gruppe von Schülern, die noch nicht perfekt, aber ziemlich gut lesen können und mit denen arbeite ich mich dann durch ein Buch – sie lesen es mir vor und dann werden Arbeitsblätter dazu ausgefüllt. Ab und zu machen wir am Morgen auch Buchstabierübungen und die darf ich mit den Kids allein machen, das heißt, die Lehrerin erledigt anderweitige Vorbereitungen und die Schüler müssen auf mein Kommando hören. Letztens hat sie mir sogar eine ganze Mathe-Stunde überlassen! Es ist wirklich recht kompliziert, einen kühlen Kopf und den Überblick zu bewahren, wenn 21 Kinder gleichzeitig irgendetwas von einem wollen, aber es macht viel Spaß, vor allem wenn man dann das erste Verstehen in ihren Gesichtern erkennen kann.
Das selbe gilt natürlich für die Vorschüler genauso und die sind sogar noch einen Tick süßer. Dort sind wir meist zu dritt und am Morgen müssen die Kleinen sogar richtige Schulaufgaben erledigen und sollen auch schon Lesen lernen. Sie zeigen uns ihre Arbeit und wir überprüfen, ob sie es auch wirklich verstanden haben und wiederholen können etc.

Ab und an gehe ich mit den verschiedenen Klassen auch zu Musik oder Sport, wo ich die Lehrerinnen unterstütze, die Kinder im Zaum zu halten und gegebenenfalls mit ihnen zur Toilette oder ins Arztzimmer zu gehen. Da es in den unterschiedlichen Klassen auch Kids gibt, die besondere Betreuung benötigen, liegt mein Augenmerk meistens auf diesen.

Die schwerste Aufgabe meines Arbeitstages in der Junior School ist die sogenannte „Dining Hall Duty“ - Mittagspause. Wir müssen alle Erst- bis Viertklässler 150m quer über den gesamten Campus, mitten durch die Senior School zur Cafeteria lotsen und dort dann für Ordnung sorgen. Kleine Kinder können Monster sein, dass kann ich euch sagen! Du kannst ihnen erzählen, dass sie viel zu laut sind und dass sie auf dem Weg bleiben sollen und sie hören gar nicht erst hin. Traurig, aber wahr. Letztlich kriegen wir diese 45 Minuten auch herum und sind froh, wenn wir die Kinder einer anderen Person überlassen und unsere Pause genießen dürfen.

Nachmittags fallen dann meistens Dinge wir Stifte spitzen, kopieren und aufräumen an. Einige der Lehrer stapeln auch die Hefte, die zu korrigieren sind, vor mir auf und ich verbringe ein, zwei Stunden damit zu rätseln, was das Wort eigentlich heißen soll. Für jeden Schüler gibt es ein sogenanntes Portfolio, in das alle guten Arbeiten eingeklebt werden, welches die Eltern dann am Ende des Jahres zu sehen bekommen – und ratet mal, wer diese Teile zusammenklebt? Richtig geraten, das bleibt an mir hängen.

Aller zwei Jahre gibt es ein Junior School Musical und glücklicherweise habe ich genau dieses Jahr erwischt, in dem es wieder eins gibt. Es heißt „ A trip through the jungle“ und alle Klassen von Prep bis Year 4 haben eine Rolle. Klassenweise haben sie einen Tanz und ein Lied einstudiert, welches sie dann nächste Woche Donnerstag in der Stadthalle vor allen Eltern und Lehrern vorführen werden. Es macht sehr viel Spaß bei den Proben zuzusehen und gelegentlich auch mitzutanzen.
Was die Kids nicht wissen, ist, dass auch wir Lehrer und Gappies einen Tanz einstudiert haben: Gemeinsam werden wir den Schwanensee-Tanz vorführen und Andrew (irischer Gappy) und ich tun so, als seien wir absolute Profis, mit Hebefiguren und allem drum und dran. Zwar kann ich mich noch nicht ganz so mit meinem rosa Kostüm bestehend aus einem T-Shirt einer Leggins und einem Tutu anfreunden, aber das wird schon.

Wenn dann 15:10Uhr alle Kinder von ihren Eltern abgeholt worden sind, ist die Arbeit in der Schule für den Tag erledigt. Dienstags und donnerstags muss ich dann noch 1,5 Stunden beim TAS (The Associated Schools) Training zuschauen und dann fahren wir zurück ins Internat.
Das ist so der grundlegende Überblick über meinen Alltag in Warwick und den Job, den ich hier mache.


Seit meinem letzten Eintrag sind ja nun zwei Wochen vergangen und ich habe euch noch gar nicht erzählt, dass wir letzte Woche ein Auto gekauft haben.
Es ist ein zehn Jahre alter Ford Falcon und ein absolut cooles Auto, das sich für unsere Bedürfnisse perfekt eignet. Zur Feier des Kaufes sind wir letzten Samstag ganz spontan nach Brisbane gefahren und ich sage euch, das war der Hammer! Da die Strecke nicht weiter kompliziert ist und auch nicht zu viel Verkehr herrscht, durfte ich die 2,5 Stunden auf dem Highway fahren. Und es ist ein sehr komisches Gefühl, auf der anderen Straßenseite zu fahren, aber alles lief gut.
Bevor wir los sind haben Hayley und ich noch schnell zwei total coole CDs zusammengestellt und ich habe einen Bekannten in Brisbane angerufen, ob er uns nicht eine Tour durch die Stadt geben könne.


Das Wetter war perfekt, der Tag war schön und wir haben einen tollen Roadtrip gemacht.
Matthew hat uns ins Stadtzentrum von Brisbane gelotst und rumgeführt. Anschließend haben wir zusammen mit seiner Familie Pizza gegessen und den Abend mit einer extrem witzigen Runde Bowling und einer Taxi-Boot-Tour ausklingen lassen.
Ich habe noch nie soooooooo schlecht gebowlt, aber als man einen Gutschein gewinnen konnte, habe ich plötzlich einen Strike gemacht.

Am nächsten Morgen haben wir ein deutsches Frühstück serviert bekommen (Matthew war ein Gappy in meiner Schule und seine Familie ist total begeistert von Deutschland) und sind gemütlich wieder zurück nach Warwick gefahren.
Dieses Wochenende fahren wir nach Toowoomba und wollen uns schicke Klamotte für das Rodeo in ein paar Wochen besorgen.
Ich habe euch lieb, herzliche Grüße aus Australien und bis zum nächsten Mal!
Lauri

Montag, 20. August 2012

Touch, Polocrosse und TAS

Fangen wir dieses Mal einfach mit Neuigkeiten an:

  1. Mein Visum wurde endlich bestätigt. Ob das nun gut oder schlecht ist, darüber streiten sich die Geister...Im Moment heißt das aber, dass ich das ganze Jahr lang hier bleiben kann, ohne alle drei Monate nach Neuseeland oder sonst wo zu fliegen. Ach ja, und niemand wird auf die Idee kommen, mir einfach meinen Pass abzunehmen oder ähnliches.
  2. Ich war gerade im Reisebüro und habe einen Kurztrip zu einem der wichtigsten Monumente Australiens gebucht. Ende Oktober fliege ich zusammen mit der deutschen Austausch-Schülerin zu Ayers Rock, wo wir für drei Tage im Outback, um genau zu sein, in der Mitte von Nirgendwo in einem schicken Hotel wohnen, eine Kamel-Tour unternehmen und den Sternenhimmel inkl. eines extrem exklusiven Abendessens genießen. Über den Preis reden wir an dieser Stelle mal lieber nicht.
  3. Ihr fehlt mir unendlich! Na klar, das ist keine Neuigkeiten, aber es muss auf jeden Fall gesagt werden.

In diesem Post will ich euch einen kleinen Eindruck davon geben, was Sport für die Leute in Australien bedeutet. Grundlegend, alles.

Ich hatte ja schon erwähnt, dass wir Gappies an unserem ersten Wochenende hier gleich zum Rugby-Schauen geschleppt wurden. Als wäre das nicht genug, wurden wir jetzt auch noch dazu gebracht, es selber zu spielen. Keine Sorge, es handelt sich dabei nicht um die Hardcore-Variante, die wir aus dem Fernseher kennen (, wenn wir sie denn kennen und nicht so unwissend sind, wie ich). Was wir jetzt hier zusammen mit ein paar der Lehrer aus der Junior School spielen, heißt Touch und ist, einfach gesagt, die weibliche Version von Rugby. Anstatt sich gegenseitig zu Boden zu ringen, muss man den Gegner nur Berühren, laut „Touch“ oder „touched“ rufen, um an den Ball zu kommen. Dieser hat allerdings die selbe Ei-ähnliche Form (Das könnte daran liegen, dass es einfach die selbe Art von Ball ist, aber hey, ich bin Anfänger, ich hab doch keinen Plan von nix!^^) und ist dementsprechend schwierig zu fangen bzw. zu werfen (Es hat mich viel Übung gekostet, das richtig zu lernen, aber zum Glück gibt es hier genügend hilfsbereite Menschen, die mir dabei geholfen haben.)
Vergangenen Mittwoch hatten wir nun also unser erstes Spiel. Am Sonntag davor habe ich gelernt, den Ball zu werfen und den Abend zuvor hat meinen Mitbewohnerin mir in fünf Minuten die Regeln erklärt. Hatte ich schon erwähnt, dass ich seit sechs Monaten keinen Sport mehr gemacht habe, der Laufen erfordert? Ähm, tja, sagen wir es mal so, bei Touch dreht es sich hauptsächlich ums Rennen. Du musst zwei Mal 25 Minuten durchhalten über ein Feld zu sprinten, das ungefähr die Größe eines Fußballfeldes hat. Das Team ist aber wirklich gut und im Endeffekt haben wir das erste Spiel auch gewonnen und ich habe mich, laut Aussagen meiner Kollegen, recht gut angestellt. Bereits nach ein paar Minuten aufmerksamen Schauens versteht man das Prinzip und den Rest improvisiert man dann. Mal sehen, wie es diesen Mittwoch wird.

An diesem Wochenende fand ein großes Polocrosse-Turnier in Warwick statt. Was zur Hölle ist Polocrosse? Tja, ich hatte auch keinen richtigen Plan, außer, dass es mit Pferden zu tun hat.
Eine der Sportlehrerinnen hat uns eingeladen, weil ihr Mann wohl in einem Team spielt und sie Freikarten bekommen hat. Unseren Samstagabend haben wir also damit verbracht, eine weitere Sportart kennenzulernen. Beim Polocrosse befinden sich jeweils drei Pferde inkl. Reiter pro Team auf einem Feld. Das Ziel des Spiel ist es, einen kleinen, gelben Ball mittels eines Schlägers mit einem Netz an der Spitze in ein Tor zu schießen. Man kann sagen, dass es ein sehr schnelles Spiel mit vielen Toren ist (Das erste Spiel beispielsweise endete 17:9 und die dauerten nur 25 Minuten oder so.).

Während wir dort so an einem Tisch saßen, stellten wir fest, dass kaum jemand dem Polocrosse eigentlich folgte. Die Leute nutzten es hauptsächlich als eine Art Zusammentreffen, standen rum und unterhielten sich mit ein paar Bierchen in der Hand. Halten wir also fest, man nutzt die Sport-Events hier, um Leute zu treffen. Auch wir haben neue Bekanntschaften gemacht, zum Beispiel ein Mädchen aus Belgien, die gerade ihr work and travel startet.
Gegen 21 Uhr war dann das letzte Spiel vorbei und die Rollläden wurden dicht gemacht, aber das war der Moment, da die Aftershow-Party gestartet hat. Meine Mitbewohnerin wollte nicht heim und weil ich den ganzen Tag über schon schlecht drauf war (Soll heißen, ein paar Tränen am Morgen.), hat sich mich überredet zu bleiben. Sagen wir es mal so, um eins waren wir dann glücklich im Bett und beim Aufstehen um sieben ging es uns noch nicht wieder 100prozentig gut.

Das Problem an der Party war, dass ein paar unserer Schüler/Schützlinge dort aufgetaucht ist. Die wenigsten australischen Schüler sind 18 oder älter und wenn wir sie nun in der Öffentlichkeit trinken sehen, tja, sagen wir, das wäre nicht gut. Weder für sie, noch für uns.
Nichtsdestotrotz hatten wir einigen Spaß beim Tanzen und wissen nun, was genau Polocrosse ist.

Jetzt kommen wir wieder zu einem Part meiner Arbeit hier in Australien:
Wie wir es ja auch gewohnt sind, gibt es hier am Nachmittag Aktivitäten in der Schule. Die Kids können jeden Term (Das Schuljahr besteht hier aus vier sogenannten Terms.) zwischen vier Sportarten wählen (zwei für die Jungs, zwei für die Mädchen), für welche sie dann dienstags und donnerstags trainieren. Jeden Samstag treten sie gegen ein Team aus der Umgebung in einer Art Liga an. Das Problem an dem „aus der Umgebung“ ist, dass es sich um eine Liga der Privatschulen handelt und es hier in Warwick nur die eine gibt. Wir müssen dafür also nach Brisbane fahren, weshalb wir die vergangenen vier Samstage gegen 4:40 Uhr aufstehen mussten, um dann 2,5 Stunden Bus zu fahren.
Diesen Term arbeite ich mit den Volleyball-Mädels und sagen wir es mal so, sie sind nicht allzu gut, aber na ja. Die anderen Mädchen spielen Touch und alle Teams sind im Moment auf Platz 1 in ihrer Liga, das heißt, sie kommen ins Finale und ich muss am Ende des Terms wahrscheinlich noch einmal samstags so früh raus.
Um ehrlich zu sein, mein Job bei TAS ist recht simpel. Ich muss aufpassen, dass alle aktiv am Training teilnehmen und sich an den Spieltagen ordentlich benehmen bzw. überhaupt im Bus sind (Es kam schon vor, dass wir Leute fast in Brisbane gelassen hätten, weil sie einfach nicht zurück zum Bus gekommen sind.).

Ein anderer Part meines Jobs ist es, an den Internatsaktivitäten als Aufpasser teilzunehmen, also so wie bei dem Social letztens. Dieses Wochenende waren wir in Toowoomba. Einige haben geshoppt, andere waren beim Paintball und ich war mit den Junior Girls (7. und 8. Klasse) beim Roller Blading. Das war wirklich cool, wie im Film mit Diskolicht und -musik. Wegen meinem Knie habe ich zwar nicht mitgemacht, aber wenigstens sind ein paar schöne Fotos entstanden.
Eine Sache fand ich aber sehr merkwürdig und seltsam. Der DJ meinte plötzlich: „Und jetzt ein richtig cooler Song!“, und was passiert?! - Er spielt RAMMSTEIN!
Ja, man reist einmal um die halbe Welt und dann spielen sie deutsche Musik in einem öffentlichen Platz – beeindruckend.

Okay, genug jetzt, ich habe ein Skype-Date mit meinem Schatz und deshalb muss ich los.
Fühlt euch gedrückt, umarmt und geknuddelt! Bis bald, das Krümel...

Dienstag, 14. August 2012

Warwick und Umgebung

Auch dieses Mal soll es noch nicht um meine Arbeit in der Schule gehen, denn es gibt erst mal viel anderes zu erzählen.

Es ist nun schon ein bisschen länger als einen Monat her, dass ich Dresden verlassen habe und genau ein Monat, seit ich in Australien gelandet bin. In der Zwischenzeit habe ich schon ziemlich jede Ecke von Warwick und auch ein wenig von der Umgebung gesehen.

Zuerst zu Warwick: Wie ich schon erzählt habe, handelt es sich dabei um eine kleine, eingeschworene Gemeinde. Insgesamt leben hier circa 12 000 Menschen (zumindest hat man mir das so erzählt) und wahrscheinlich mehr Tiere, weshalb man festhalten kann, es hat mehr die Größe eines Dorfes. Nichtsdestotrotz lässt es sich in Warwick gut leben. Der Weg zum Supermarkt und ins Shoppping-Center ist nicht zu weit, vom Mädchen-Internat sind es vielleicht 15 Minuten zu Fuß. Man muss sich allerdings recht schnell überlegen, ob man noch etwas besorgen muss, da alle Geschäfte bereits 17 Uhr schließen (und für gewöhnlich sind wir nicht vor 15:30Uhr aus der Schule zurück!). Es gibt drei oder vier Fitnesscenter (auch wenn die meisten Menschen nicht aussehen, als würden sie sie nutzen) und einen riesigen Sportplatz. Und wenn man freitags oder samstags gern ausgehen möchte, bietet Warwick ein Kino (mit ganzen zwei Sälen, also zwei Filmen pro Abend) und drei Clubs.

Clubs kannst du hier etwas differenzieren. Da ist der RSL Club, für den wir Gappies jetzt sogar Mitgliedskarten haben. Der RSL ist eine Art Sportkneipe mit integriertem Casino. An unserem ersten Wochenende hier haben uns die Sportlehrer der Schule auf ein Bier eingeladen und wir haben dort gemeinsam Rugby geschaut (wovon ich ja absolut keinen Plan hatte) und Billard gespielt. Der Abend war noch jung, also haben wir uns verabschiedet und sind in den nächsten Club gegangen. Ignorieren wir mal die Tatsache, dass wir die Lehrer später auch in diesem getroffen haben.
Dieser Club ist schon eher das, was wir unter Club verstehen. Du kannst tanzen, trinken und zusätzlich auch noch Billard spielen. Dieser ist wohl der beliebteste Ort für die Ansässigen, auch wenn es eigentlich nur ein einziger (recht kleiner) Raum ist.
Für mich war es zwar ein sparsamer Abend, aber im Allgemeinen ist Alkohol (und auch alles andere) in Australien furchtbar teuer.

Vergangene Woche sind wir mit ein paar Schülern nach Stanthorpe gefahren. Das liegt etwa 1,5h südwestlich von Warwick und hat ungefähr die selbe Größe. Was ich nun mit dieser Kleinstadt verbinde ist ein schlimmer Autounfall, den wir auf dem Rückweg vom Sportfest dort gesehen haben. Die Kurzfassung ist, ein 17Jährige (natürlich Fahranfängerin) war auf dem Heimweg, hat anscheinend etwas in Stanthorpe vergessen und wollte umdrehen. Allerdings fuhr hinter ihr ein Bus voller Schüler und dieser kann nun mal nicht so schnell bremsen. Als die Gute nun also mitten auf dem Highway (über eine doppelte Linie – absolutes No-Go) einen U-Turn hinlegt, rammt der Bus das Auto seitlich und die Fahrerin des Wagens, sowie ihr Bruder mussten schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert werden.
Ansonsten weiß ich über Stanthorpe nur, dass es dort im Sommer viele Jobs gibt, weil rund um die Stadt viele Obstplantagen und Bauernhöfe liegen. Falls wir also mit unserem Einkommen nicht zufrieden sind, können wir dort arbeiten gehen.

Die nächstgrößere Stadt, die circa 1h entfernt liegt, heißt Toowoomba. Dort waren wir am Samstag mit den Internatsschülern (sowohl Mädels als auch Jungs, was das Ganze echt verkompliziert hat, das kann ich euch sagen). Es ist so, dass die Kids hier nicht wirklich aus- oder weggehen können, wie wir das kennen. Deshalb organisieren die Schulen in der Umgebung abwechselnd sogenannte Socials, wir würden das als Kinder-Disko bezeichnen. Das witzige an diesem Ausflug war, dass ich mir furchtbar alt vorkam. Die Kids dort waren zwischen 13 und 18 Jahren alt, haben sich verhalten, wie man das nun mal in dem Alter macht und ich musste daneben stehen und gegebenenfalls dazwischen gehen, wenn die angefangen haben, zu knutschen.Ohne Mist, das war meine Aufgabe dort! Und mal ganz ehrlich, ich sehe ja nun auch nicht wirklich alt und Autoritätspersonen-mäßig aus, oder? Tja, deshalb war das ein recht schwieriges Unterfangen.

Etwas Gutes hatte der Abend aber: In Toowoomba arbeiten vier deutsche Gappies (alles Mädels), die ich auf dem Social kennengelernt habe. Sie kommen aus Hamburg, Stuttgart und dem Ruhrgebiet und wollen mich irgendwann mal in Warwick besuchen kommen.

Heute war ich wieder in Toowoomba (und konnte die Stadt bei Tageslicht betrachten). Um ehrlich zu sein, es erinnert mich total an die USA! Alles voller Shops und Shopping-Center, ab und zu ein Park (,die wirklich sehr sauber und ordentlich gehalten werden) und sogenannte „neighbourhoods“. Die Jüngsten der Junior School (mit denen ich ja hauptsächlich arbeite) hatten heute einen Theaterbesuch in Toowoomba - „Happy birthday, Peter Rabbit!“. Es war einfach süß, wie sich die Kleinen gefreut und tatsächlich benommen haben. Das Theater selber war auch wirklich hübsch anzusehen, von innen wirkte es recht neu.

Ihr seht, langsam aber sicher, kommen wir zu dem Part, in dem ich euch erzähle, was ich hier eigentlich Job-mäßig tue...
Aber vorher noch zwei äußerst...sagen wir mal, seltsame Stories:

Nachdem wir die Internatsschüler am Samstag nach dem Social ins Bett gebracht hatten (das ist jetzt im literarischen Sinne gemeint!), wollten wir Gappies noch auf einen Drink in einen der Clubs der Stadt gehen. Leider war es schon 12Uhr als wir dort angekommen sind, weshalb wir nicht mehr rein durften. Da meine Zimmernachbarin Sonntag-Morgen arbeiten musste, wollten wir wieder nach Hause und die Jungs wollten auch in ihr Haus zurück und unsere Wege haben sich getrennt.
Da Hayley und ich noch vom Social chic angezogen waren, haben wir die Aufmerksamkeit von irgendwelchen Typen auf uns gelenkt, die uns dann die Straße runter im Auto verfolgt haben. Grundsätzlich reagiert man darauf einfach nicht, aber da aus einem Pfeifen ein Rufen und Anmachen wurde, war es uns nicht mehr so egal.

Der McDonalds in Warwick hat einen 24h-Drive-Through und Überwachungskameras, also sind wir direkt dorthin geeilt, hatten ja aber kein Auto. Die Polizei hat uns laufen gesehen und ist uns gefolgt. Hayley hat es mit der Angst zu tun gekriegt, sie wollte nicht wirklich von der Polizei aufgelesen werden, aber ich habe ihnen einfach gesagt, dass wir uns verstecken.
Was macht die Polizei, dein Freund und Helfer in dieser Situation? - Sie fahren dich nach Hause. Ohne Gebühren, versteht sich.
Somit bin ich also am Samstag das erste Mal in meinem Leben in einem Polizeiwagen gefahren.
Das Witzige war, dass die Türen sich nur von außen öffnen lassen, der Polizist also die Scheiben runter gelassen hat und wir so an die Griffe gekommen sind. Trotzdem war uns die Sache nicht ganz egal und von nun an, lassen uns die Jungs nicht mehr allein nach Hause gehen.

Ach ja, und da wir gerade beim Thema sind: An meinem ersten Tag in Australien habe ich den Fernseher im Hotelzimmer eingeschaltet, um Nachrichten zu sehen. Was höre ich da? Eine ältere Frau wird in Warwick schon seit 10 Tagen vermisst. Gut, am Anfang hab ich mir nicht viel dabei gedacht, aber eine Woche später kam raus, dass sie ermordet wurde.
Und letzte Woche ist jemand in ein Schmuck-Geschäft in der Mall eingebrochen und hat so einiges mitgehen lassen. - Halten wir also fest, Warwick ist nicht gerade ein friedliches kleines Städtchen und ich werde nie wieder allein durch die Straßen schlendern.

Aber keine Sorge, mir geht es gut und nun bin ich schon genau 5 Wochen von zu Hause weg und habe ein Zehntel meiner Zeit in Australien schon rum. Ich vermisse euch, kann jetzt aber wieder Whatsapp nutzen, falls ihr Lust habt, mir zu texten.

Liebste Grüße aus Down Under, Lauri <3

Sonntag, 5. August 2012

Australien – seine Leute, Landschaft und Gepflogenheiten


Es ist nun schon eine Weile her, dass ich den Text für den ersten Post verfasst habe und in den vergangenen drei Wochen kamen natürlich viele neue Eindrücke dazu.
Über meine Arbeit möchte ich zu einem späteren Zeitpunkt mehr sagen, in diesem Post soll es hauptsächlich um die Sachen gehen, die ich an diesem Wochenende erlebt und gesehen habe.

Zur Erklärung muss erst mal gesagt werden, dass es in Warwick eine Familie gibt, deren Mutter aus Deutschland stammt und die sich jedes Jahr auf´s Neue der deutschen “Gappies” annimmt. Eigentlich sollte ich schon letztes Wochenende eine Weile auf ihrer Farm verbringen, aber da musste ich leider arbeiten und so haben wir den Ausflug verschoben.

Nun hat mich die Familie, bestehend aus zwei Jungen in der Senior und einem Mädchen in der Junior School (wo ich zur Zeit arbeite), sowie Mutter und Vater und einer deutschen Austauschschülerin, gestern abgeholt und zu ihrem Landhaus mitgenommen.
Es war großartig!

Schon die Fahrt, die circa 20 Minuten gedauert hat, war für mich ein einziges Highlight, nicht nur, weil ich aus Warwick raus gekommen bin, sondern hauptsächlich, weil ich mein erstes KÄNGURU gesehen habe!!! Das saß da einfach am Straßenrand und hat blöd geschaut, es war spitze. Dieses Erlebnis hat mir ein riesiges Grinsen ins Gesicht getrieben und schon dafür hat sich der Ausflug gelohnt.

Die Farm ist ein nicht weniger beeindruckender Anblick.. Der Familie gehören 5.500 Hektar Land, auf dem sich sowohl Ziegen, als auch Schafe und ein paar Rinder befinden. Sie bietet viel Platz zum Spielen für die Kinder und ich wurde gleich auf eine Hasenjagd mitgenommen. Okay, ich gestehe, ich habe mich wie ein Tourist verhalten, ständig Fotos gemacht und mich mit der deutschen Gasttochter unterhalten. So haben wir die Hasen wohl verscheucht, aber mal ehrlich, wenn ein 14jähriger Junge mit einem Gewehr durch die Gegend rennt, um Hasen zu schießen, bin ich echt froh, dass er keine einzige Kugel feuern musste.

Damit kommen wir zur australischen Mentalität. Kinder, die auf Farmen leben, wachsen mit Gewehren auf und lernen recht früh, sie zu benutzen. Und für sie ist es auch völlig normal, die echt süß aussehenden Kängurus einfach zu erschießen. Man muss dazu sagen, dass es in Australien sehr viele von ihnen gibt und sie die Farmer anscheinend stören.
Und natürlich wissen Farm-Kinder auch wie man fährt. Auf ihren eigenen Grundstücken lernen sie, wie man den Truck fährt oder eben auch das Motorrad (also mal ehrlich, als der 14Jährige auf dem Motocross an mir vorbei fuhr, dachte ich auch: Holla!).

Im Allgemeinen nehmen alle die Regeln und Gesetze recht gelassen. Heute Morgen beispielsweise sind wir zu siebt in einem (normalen) Auto gefahren und das hat echt den Fuchs interessiert. Im Übrigen ist dabei direkt vor uns ein Känguru über die Straße gehüpft, ich sage euch, daran könnte ich mich echt gewöhnen! Nichtsdestotrotz hat man mir erzählt, dass man sich lieber von diesen und auch sonst allen anderen Tieren in Australien fernhält. Nicht nur, dass hier die giftigsten Tiere der Welt leben, einige sind auch sehr aggressiv, zum Beispiel die Kängurus.
Momentan ist hier ja noch Winter, aber im Sommer (also ab dem Beginn des nächsten Monats) muss man aufpassen, wo man hintritt, es könnte sich eine Schlange im Gras befinden und auch (und vor allem) von diesen sollte man sich möglichst fernhalten.

Eine kleine Anmerkung zwischendurch: Die Vögel hier sehen sehr interessant aus. Sie sind bunt und haben insgesamt ein spannendes Äußeres, aber ihr Gesang ist nichts, im Vergleich zu den europäischen. Das hier kann man echt nur als Krächzen bezeichnen und es klingt, als ob jemand schreit! Und die Vegetation ist auch ein Anblick für sich. Neben furchtbar trockenen Sträuchern stehen Palmen und Büsche mit wundervollen Blüten. Der Rasen wechselt von verbrannt zu grün zu braunem, völlig unbewachsenen Boden.

Wie das nun mal so ist mit den deutschen Touris ist, haben sie noch nie ein Gewehr gesehen und erst recht nicht damit geschossen. Aus diesem Grund hat man mir heute vorm Mittagessen noch schnell erklärt, wie das eigentlich funktioniert und mir das Ding gleich in die Hand gedrückt. Mein Ziel waren fünf Luftballons in circa 15 Metern Entfernung und zu meiner eigenen und der Überraschung meiner Gastgeber habe ich sie alle beim ersten Versuch getroffen. Natürlich nacheinander, nicht das hier Irritationen auftreten oder so...
Ja ja, ich bin also ein Naturtalent im Schießen mit Gewehren und damit absolut gerüstet, im gefährlichen Outback zu überleben. Zumindest hat man mir das so erzählt.

Nach dem Gewehr und immer noch vor dem Mittagessen haben sie mir Pfeil und Bogen in
die Hand gedrückt. Okay, das ist definitiv nichts für mich. Meine Muskelkraft reicht dafür einfach nicht aus, aber mit ein wenig Hilfe konnte ich einen Pfeil geradewegs ins Gras befördern.
Sagen wir, die Zeitvertriebe der australischen Jugendlichen sind nicht ganz ungefährlich und aus der Sichtweise eines Europäers echt schräg und gewöhnungsbedürftig.

Von der eigentlichen Arbeit auf einer Farm habe ich zwar noch nicht viel mitbekommen, aber die Lebensweise hat man mir näher gebracht. Und eins habe ich sofort bemerkt: es gibt einfach kein Netz da draußen. Eigentlich ist die Farm nun wirklich nicht so weit ab vom Schuss und doch konnte ich weder SMS schreiben, noch jemanden anrufen. Man hat mir erklärt, dass das an meinem Netzbetreiber liegt (man möchte meinen, dass Vodafone einen spitzenmäßigen Empfang hat, aber das gilt eben nur für Europa) und nur sehr wenige Handynetze außerhalb der Städte funktionieren. Sollte man also eine Tour durch das australische Hinterland planen, immer daran denken, ein gut ausgebautes Netz wählen!

Nach einem einfach großartigen Essen (zur Feier des Geburtstags des Vaters) bin ich nun zurück im Boarding House (Internat) und musste gleich von meinen Erlebnissen der vergangenen 36 Stunden berichten.

PS: Das Foto zeigt mich kurz bevor dem ersten Schuss und mal ehrlich, boah, war ich aufgeregt (deshalb das doofe Grinsen)!

Habt eine schöne Woche! Lauri

PPS: Vor ein paar Tagen hat mich eine SMS erreicht, die mir die Tränen in die Augen getrieben hat.
Ich vermisse euch alle ganz schrecklich, das könnt ihr mir glauben. Und du mir vor allem Schatz, es tut mir so leid, dass ich nicht bei dir bin... <3